Tarifvertrag

Nie war er so gut wie in der Krise


Viele Firmen setzen auf Öffnungsklauseln

Hannover. Kurzarbeit – ist auch Ihr Betrieb betroffen? Dann steht er damit nicht allein. Spaß macht es zurzeit jedenfalls nicht, den Blick in die Unternehmenslandschaft zu werfen. Schlechte Nachrichten, wohin man schaut und hört.

Jetzt in Angststarre zu verfallen, wäre allerdings die denkbar schlechteste Lösung. Denn mit der Kurzarbeit haben wir in Deutschland ein Instrument, um das uns andere Länder be­neiden.

Lieber Kurzarbeit statt Entlassung

Kurzarbeit bedeutet: Es wird weniger gearbeitet und auch weniger verdient. Doch im Ausland bleibt den Firmen oftmals nichts anderes übrig, als gleich einen Teil ihrer Mitarbeiter zu entlassen.

„Unsere Firmen setzen alles daran, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Norbert Reiners vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. Aus gutem Grund. Die Unternehmen benötigen ihre Facharbeiter, um weiterhin auch international wettbewerbsfähig zu bleiben. Reiners: „Die Firmen dürfen kein Know-how verlieren, sondern müssen besonders jetzt die Zeit nutzen, damit sie gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Reiners sagt klipp und klar: „Es wäre naiv zu glauben, wir würden die Rezession unbeschadet überstehen.“

Doch gerade jetzt, das spüren viele Unternehmer und Personalleiter, hilft der umfangreiche Werkzeugkasten, den die Tarifpartner in den vergangenen Jahren zusammengestellt haben.

Im Tarifvertrag ist vorgesehen, dass die vereinbarte Tariferhöhung verschoben werden kann, wenn Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Im Mai steht die nächs­te Lohnerhöhung an. Diese kann, so die Tarifabmachung, um bis zu sieben Monate verschoben werden, wenn ein Be­trieb in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Reiners: „Wir gehen davon aus, dass viele Geschäftsführungen Gespräche mit ihren Betriebsräten suchen.“

Die internationale Absatzkrise hat die Metall- und Elektro-Industrie mit voller Breite und nur mit wenigen Ausnahmen erfasst. Deshalb, so Tarifexperte Reiners, ziehen die Betriebe nun alle ihnen zur Verfügung stehenden Register. Um nicht entlassen zu müssen, fahren zurzeit fast alle Betriebe die Zeitarbeit zurück.

„Außerdem lassen die Firmen die befristeten Arbeitsverträge vielfach auslaufen. Das gibt Luft“, sagt er. Bei alledem, so Reiners, gibt es oftmals einen engen Schulterschluss zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung.

Doch in einem Punkt kann eine noch so gut funktionierende Sozialpartnerschaft nichts bewirken: Viele Unternehmen erleben derzeit, dass sich die Banken zugeknöpft zeigen, wenn es um wichtige Kredite geht.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang