Ausbildung

Nicht jeder ist fit für die Lehre


Auch die Kautschuk-Industrie kennt das Problem

 Berlin/Hannover. Der alarmierende Befund des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zur Ausbildungsreife vieler Jugendlicher wird auch von den Unternehmen der Kautschuk-Industrie bestätigt.

„Das Niveau der Qualifikation der Bewerber ist gesunken“, so Personalleiter Heinrich Krange vom Konsumgüter-Hersteller Mapa GmbH in Zeven zwischen Hamburg und Bremen. Und Uwe Hehl, Vorstand des Autozulieferers Veritas AG in Gelnhausen westlich von Frankfurt, sagt: „Es hapert an Mathe, Physik und Chemie, aber auch am schriftlichen und mündlichen Ausdruck.“

Von vornherein die Chance verbaut

Der DIHK hatte in seiner „Ausbildungsumfrage 2010“ unter 15.300 Unternehmen herausgefunden, dass jeder fünfte Betrieb letztes Jahr nicht alle Lehrstellen besetzen konnte. Von diesen wiederum gaben 63 Prozent als Grund an, dass die Bewerber auf diese freien Plätze nicht die erforderlichen Mindestqualifikationen aufgewiesen hätten.

Auch der Arbeitgeberverband der deutschen Kautschukindustrie hat vor Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres seine Mitgliedsfirmen zu diesem Thema befragt. Demnach sind vier von zehn Bewerbungen, die in den Ausbildungsbetrieben eingehen, formal mangelhaft. Defizite in Stil, Rechtschreibung und Grammatik weisen sogar sechs von zehn Bewerbungen auf. Die Folge: Viele Bewerber verbauen sich von vornherein die Chance, ins Auswahlverfahren zu kommen.

Von den insgesamt 79 Kautschuk-Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, urteilen zwei Drittel: „Die Ausbildungsreife der Bewerber/-innen hat sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert.“

Verantwortlich wird dafür vor allem das Elternhaus (81 Prozent) und die Schule (76 Prozent) gemacht. „Gravierende Qualifikationsdefizite“ nehmen zwei von drei befragten Kautschuk-Unternehmen in den Bereichen Mathematik und Deutsch wahr, jedes dritte Unternehmen beklagt auch einen Mangel an „sozialer Kompetenz“ – also Eigenständigkeit, Motivation, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Disziplin.

Viele Betriebe müssen Nachhilfe anbieten

Das Problem kennt auch Carola Klug, Personalleiterin der TDM Telefondirektmarketing in Sarstedt bei Hannover. Das Unternehmen macht seit 1983 aktives Telefonmarketing für technische Produkte.

Viele Bewerbungsmappen seien nicht komplett und voller Rechtschreibfehler, berichtet Klug. „Das sind grundsätzliche Kriterien, da kann ich keine Abstriche machen. Wir sind ja bereit, auch Hauptschüler einzustellen – aber was nutzt mir einer, dessen Allgemeinwissen sehr zu wünschen übriglässt?“

Sehr viele Kautschuk-Betriebe müssen deshalb Nachhilfe für ihre Auszubildenden anbieten, um Rückstände in der Schule aufzuholen und soziale Kompetenzen zu verbessern.

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