Tipp der Woche

Neutrale Friedensstifter


Alltag auf dem Platz: Ein neutraler Schlichter stellt sich zwischen zwei Streithähne - und sein Spruch gilt. Foto: Team2
Alltag auf dem Platz: Ein neutraler Schlichter stellt sich zwischen zwei Streithähne - und sein Spruch gilt. Foto: Team2

Schiedsstellen verhelfen Kunden zu ihrem Recht – kostenlos!

Ärger mit der Versicherung, dreister Makler, Flieger total verspätet? Solche Fälle kennt fast jeder. Der erste Schritt ist klar – Reklamation bei der betreffenden Firma. Bleibt die stur, muss man trotzdem nicht gleich vor Gericht ziehen: Viele Branchen haben Schiedsstellen, Schlichtungsstellen oder Ombudsleute. Sie sollen neutral arbeiten – und finden denn auch oft eine Lösung, die beide Seiten zufrieden stellt.

„Die Schlichtung ist ein schneller und unkomplizierter Weg für die Verbraucher, um zu ihrem Recht zu kommen“, urteilt die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner.

Schriftliches Verfahren

Normalerweise läuft so ein Schlichtungsverfahren schriftlich ab, man muss also nicht persönlich irgendwo erscheinen. Die Regeln sind meist recht ähnlich – welche im konkreten Fall gelten, sollten Sie aber sicherheitshalber jeweils vorab erfragen.

  • Kostenlos: Das Verfahren ist normalerweise gratis. Jede Partei trägt aber ihre eigenen Auslagen, etwa für Porto und Kopien.
  • Risikofrei: Bei vielen Schlichtungsstellen sind die Verjährungsfristen ausgesetzt, so lange das Schiedsverfahren läuft – man kann also notfalls später noch klagen.
  • Schnell: Ein Gerichtsverfahren kann sich über viele Jahre hinziehen – Schlichter entscheiden unbürokratisch und oft sehr schnell. So wirbt eine Schiedsstelle, die bei Ärger mit Online-Reisebuchungen helfen will, mit einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von nur zwei Wochen.
  • Kompetent: Als Schlichter sind oft namhafte Juristen im Einsatz: Um Ärger mit den privaten Bausparkassen kümmert sich zum Beispiel eine ehemalige Richterin am Bundesgerichtshof.
  • Verbindlich: Der Spruch der Schlichter gilt, wenn ihm beide Seiten zustimmen. Oft ist die Entscheidung bis zu einem bestimmten Streitwert sogar bindend für die betroffene
    Firma! Ist dagegen der Kunde nicht mit der Lösung zufrieden, kann er stets noch den Rechtsweg beschreiten.

Bei Versicherungen, Banken und Sparkassen gibt es die Schiedsleute schon eine ganze Weile. Und beim Schlichter für Versicherungsfragen zum Beispiel sind nach eigenen Angaben immerhin rund 30 Prozent der Beschwerden erfolgreich.

Immer mehr Branchen

Da das Verfahren beiden Seiten Geld, Zeit und Nerven sparen kann, setzen immer mehr Branchen auf neutrale Schlichter. Seit ein paar Monaten hat auch der Immobilienverband Deutschland einen Ombudsmann, der bei Problemen mit Maklern, Hausverwaltern oder Sachverständigen helfen soll.

Einen eigenen Ansprechpartner gibt es für genervte Bahn- und Flug-Reisende: „Die von uns geförderte ,Schlichtungsstelle Mobilität’ vermittelt erfolgreich bei Streitfällen im öffentlichen Fernverkehr“, erklärt die Verbraucherminis­terin Aigner. Diese Einrichtung kann auch bei Problemen etwa im Fährverkehr oder bei Busfahrten helfen – allerdings nicht bei Pauschalreisen.

Bei Ärger mit dem Telefonanbieter schlichtet die Bundesnetzagentur – allerdings ist hier das Verfahren ausnahmsweise kostenpflichtig! Die Behörde hilft auch bei Problemen mit Strom- und Gas-Lieferanten oder der Post.

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Schlagwörter: Recht Gesellschaft

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