Riskante Einsätze

Neues Bergwacht-Zentrum: Auf Knopfdruck wird das Wasserbecken zum reißenden Fluss

Bad Tölz. Links der Abgrund, rechts der Fels. Holt die Bergwacht Verletzte mit Hubschrauber und Winde aus einer steilen Wand, muss jeder Handgriff sitzen. Die Bergretter brauchen nicht nur Kraft und starke Nerven, sondern auch viel Übung im Umgang mit technischem Gerät. Fast 5.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte an rund 100 Bergretttungswachen mit zusätzlichen Stützpunkten im Gebirge hat die Bergwacht Bayern. 12.000 Mal im Jahr ist ihre Hilfe gefragt, um in Not geratene Menschen zu retten.

Der Ablauf der oft riskanten Einsätze will trainiert sein – damit im Ernstfall alles klappt. Das geht jetzt auch drinnen: im Bergwacht-Zentrum für Ausbildung und Sicherheit in Bad Tölz. Der Vorteil zu Übungen im Gelände: In der Halle findet das Training selbst bei Sturm und Gewitter statt. Sogar Hubschrauber können darin „fliegen“ – getragen von einer Kranbrücke und Stahlseilen an der Decke. Die Indoor-Anlage gibt es seit 2008. Sie wurde jetzt für 4,8 Millionen Euro erweitert. Der Freistaat förderte den Umbau mit 3,6 Millionen Euro.

Der Hubschrauber wackelt und kippt auf Knopfdruck zur Seite

„Wir wollen alles möglichst realistisch machen“, sagt Roland Ampenberger, der Vorsitzende der Stiftung Bergwacht, die das Zentrum betreibt. Die Halle hat durchsichtige Wände und ist nicht beheizt.

Der Übungshubschrauber kann wackeln. Auf Knopfdruck wird er zur Seite gekippt. Ventilatoren erzeugen kräftigen Wind, Rotorgeräusche lassen sich per Lautsprecher zuschalten. Wer sich da verständigen will, muss brüllen – oder die geübten Handzeichen und Kommandos benutzen. „Das ist wichtig“, sagt Ampenberger, „damit die Einsatzkräfte dasselbe Feeling haben wie bei einem echten Notfall in der Natur.“ Die Anlage ist weltweit einzigartig. Einsatzkräfte von Luftrettung, Wasserwacht, Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk aus ganz Deutschland sowie Gäste aus dem Ausland kommen nach Bad Tölz. Die Trainingselemente sind wie ein Setzkasten aufgebaut. Man kann jede Übung variieren – bis alles sitzt.

Auch die Evakuierung von Seilbahnen lässt sich darstellen: Über die Hallenfront spannt sich eine Bahn mit Gondel und Sessellift. Sie kann, wie jeder Punkt der Halle, mit dem Hubschrauber angeflogen werden. Das gilt auch für ein Haus, an dem Hochwassereinsätze trainiert werden.

Noch mehr Gimmicks: Turbinen verwandeln ein flutbares Becken in einen reißenden Fluss. Taucher suchen darin nach Vermissten, sogar unterm Eis – als Ersatz dienen dicke Kunststoffplatten. In einem engen Schacht übt man die Bergung im Innern von Windkraftanlagen, im „Bergwetter“-Raum die Versorgung von Verletzten bei minus 20 Grad.

„Es sind immer mehr Menschen in den Bergen unterwegs“, so Ampenberger, „klar, dass da auch öfter mal was passiert.“


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