Schiffbau

Neuer Schwung in den deutschen Werften

Weltweit leidet der Schiffbau, aber für deutsche Werftbetriebe läuft es derzeit gut. Wegen der Aufträge aus der Kreuzfahrt- und Offshore-Branche stieg die Zahl der Arbeitsplätze auf den höchsten Stand seit vier Jahren.

Made in Germany: Marineschiff in der Halle von MV Werften in Stralsund. Foto: dpa

Made in Germany: Marineschiff in der Halle von MV Werften in Stralsund. Foto: dpa

Hamburg. Trotz der weltweiten Schiffbaukrise: Für die deutschen Werften war 2016 ein gutes Jahr. Die Zahl der Arbeitsplätze ist auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen, wie eine Umfrage im Auftrag der IG Metall Küste aufzeigt.

Aktuell zählen die Stammbelegschaften rund 15.900 Personen (1,9 Prozent mehr als 2015). Daneben arbeiten etwa 8.600 Menschen als Zeitarbeitnehmer oder über Werkverträge auf den Werften. Weitere 67.000 Fachkräfte sind bei Zulieferern beschäftigt.

Kunden haben hohe Ansprüche

Und dieses Jahr könnten laut Umfrage bis zu 670 zusätzliche Arbeitsplätze auf den Werften entstehen, 480 davon in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist maßgeblich der guten Auftragslage bei Jachten, Fähren, Kreuzfahrt- und Marineschiffen zu verdanken. In diesen Bereichen haben die deutschen Betriebe international einen exzellenten Ruf.

Den positiven Trend belegen Zahlen des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg: Demnach hat der Auftragseingang kräftig zugelegt. Mit 4,9 Milliarden Euro war 2015 schon das beste Jahr seit 2006 – und 2016 lief nach bisherigen Zahlen noch mal deutlich besser.

„Der aktuelle Erfolg gründet auf den hohen Ansprüchen der Kunden“, erläutert VSM-Präsident Harald Fassmer, selbst Chef einer Werft mit 450 Beschäftigten allein in Deutschland. „Im Schiffbau müssen Hunderte von Unternehmen perfekt an einem Strang ziehen, um ein Projekt zum Erfolg zu führen. Die dafür erforderlichen Strukturen sind in Deutschland über Jahrzehnte entstanden – und lassen sich nur sehr schwer an anderer Stelle reproduzieren.“

Das sieht man offenbar auch in Asien so. Mit verblüffenden Folgen, wie der Branchendienst Clarksons Research registriert: Wurde der globale Schiffbau lange Zeit von China, Südkorea und Japan dominiert, gingen zuletzt 56 Prozent des weltweiten Neubaubestellwerts an europäische Werften – und ein entsprechend hoher Anteil (20 Prozent) nach Deutschland.

Vor allem der ungebrochene Kreuzfahrt-Boom füllt die Orderbücher. 2016 buchten weltweit 24,2 Millionen Menschen einen Urlaub auf See, für 2017 rechnet der Branchenverband CLIA mit mehr als 25 Millionen Passagieren. Davon profitieren hierzulande vor allem zwei große Unternehmen.

Zum einen die wegen spektakulärer Überführungen neuer Kreuzfahrtschiffe auf der engen Ems weithin bekannte Meyer Werft in Papenburg (knapp 4.000 Mitarbeiter): Sie hat aktuell 22 Großaufträge im Bestand, 12 am Stammsitz und 10 am finnischen Standort Turku.

Zum anderen die Gruppe MV Werften: Sie ist aus den früheren Nordic-Yards-Betrieben in Wismar, Warnemünde und Stralsund hervorgegangen und hat etwa 1.500 Beschäftigte. Eigner ist der malaysische Tourismuskonzern Genting, der ambitionierte Pläne hat. In den kommenden Jahren will er drei Expeditions-Megajachten, vier große Flusskreuzfahrtschiffe und zwei Mega-Kreuzfahrtschiffe in Ostdeutschland bauen – und ab 2021 die Taktzahl sogar noch steigern.

Gentings zweite deutsche Tochter, die Lloyd-Werft in Bremerhaven, richtet sich unterdessen neu aus: Die 450 Beschäftigten sollen sich auf Neu- und Umbau von Jachten, Kreuzfahrt- und anderen Schiffen konzentrieren.

Blohm & Voss in Hamburg wiederum (1.000 Mitarbeiter) wird gerade von der Bremer Lürssen-Gruppe (1.800 Beschäftigte) übernommen. Der große Deal soll „das Angebot für Reparaturen und Refits von Jachten, Marine- und kommerziellen Schiffen verstärken sowie das Neubaugeschäft von Marineschiffen abrunden“.


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