Was uns die vierte industrielle Revolution bringt

Industrie 4.0: Neuer Schub für unseren Wohlstand


Köln. Was für ein Mega-Aufschwung! Die blaue Kurve in der Grafik hier rechts zeigt, wie sich über sechs Generationen die reale Kaufkraft in Deutschland entwickelt hat. Eine spektakuläre Gesamtschau des Wirtschaftshistorikers Angus Maddison, ergänzt um die Prognose des Internationalen Währungsfonds.

Um 1850 ging die Post ab: Die industrielle Revolution steigerte in nur sechs Jahrzehnten den Wohlstand auf das Zweieinhalbfache. So was hatte in der Zeit davor Jahrhunderte gebraucht. Doch die Dampfmaschine beschleunigte den Fortschritt – so wie ab 1913 das Fließband und ab 1970 der Mikrochip. Jetzt kommt die vierte industrielle Revolution – die Industrie 4.0 ist eine Folge des Internets. Und bringt neuen Schub für den Wohlstand.

Was unseren privaten Alltag schon lange prägt, nämlich dass man alles Mögliche per Internet- Adresse erreicht, verändert jetzt radikal unsere Fabriken: Jede Maschine, ja sogar jedes Produkt und jedes einzelne Bauteil hat künftig eine eigene Adresse.

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Daten sind der Rohstoff der Zukunft: „Wir leben in der digitalen Revolution“, sagt EU-Digitalkommissar Günther Oettinger. In München mahnte er kürzlich Chemie-Unternehmen zur Eile: „Wer die Daten hat, hat die Macht!“

In der Industrie 4.0 werden Maschinen immer schlauer. Was bedeutet das für die Mitarbeiter – sind Fabriken bald menschenleer? AKTIV sprach darüber mit Thomas Leubner, der die Aus- und Weiterbildung im Siemens-Konzern steuert.

Leichtbauroboter sollen ihren menschlichen Kollegen die Arbeit erleichtern, ihnen schwere oder monotone Tätigkeiten abnehmen. Und mit ihnen Hand in Hand arbeiten. Bei Bosch ins Ansbach ist das schon heute Alltag. AKTIV war für Sie dort.

Mehr als 660.000 neue Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren: Das wird der Ausbau schneller Datenleitungen in Deutschland bringen. Wirtschaft und Politik treiben jetzt den digitalen Wandel voran. Es wird kräftig investiert.

340 Sextillionen – eine Zahl mit 37 Nullen

Zurzeit wird das System umgestellt. Bisher waren maximal 4,3 Milliarden sogenannte IP-Adressen möglich, nach dem neuen Standard IPv6 sind es 340 Sextillionen. Eine unvorstellbare Zahl – mit insgesamt 37 Nullen.

In ein paar Jahren werden wir unsere Werkhallen nicht wiedererkennen: Rohlinge wissen, wie aus ihnen ein Ventil wird! Bodenteile von Autos steuern auf eigenen Rädern die Fertigungsstationen an! Maschinen rufen per Smartphone Mitarbeiter zum Umrüsten! Beschäftigte mit Datenbrillen wechseln Ersatzteile!

Das Prinzip erklärt Jochen Schlick vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern – wo man schon seit 2005 an Anlagen für die intelligente Fabrik tüftelt: „Die Produkte organisieren ihre Herstellung selbst. Zu diesem Zweck erhält der Rohling oder dessen Träger einen Funkchip – der hat die Information über den Bauplan.“ Das Bauteil sucht sich sozusagen die Maschine aus, die es bearbeitet, und bewegt sich automatisch dorthin. Auch die Maschine denkt mit, bestellt sich etwa zusätzlich benötigte Kleinteile, vielleicht aus einem nebenan installierten 3-D-Drucker.

Die riesige Zahl der Internet-Adressen macht es möglich. „Suchen war gestern“, sagt Schlick. Er schätzt: „Die intelligente Fabrik erhöht über die Jahre die Produktivität der Industrie um 30 Prozent.“

Vor allem Auto- und Maschinenbau werden profitieren. „Nur wenn wir bei Industrie 4.0 die Nase vorn haben, können wir auch künftig erfolgreich exportieren“, sagt Professor Thomas Bauernhansl von der Uni Stuttgart, der mit Firmen wie BASF, Daimler und Bosch an der Pkw- Produktion der Zukunft arbeitet. „Komplizierte Fertigungsprozesse mit bis zu 5.000 Zulieferern bekommt man mit dieser dezentral gesteuerten Lösung besser in den Griff als mit dem alten System von Takt und Band.“

Natürlich wird auch der neue Technik-Sprung bei manchen Ängste auslösen: Wird die Welt wirklich besser, oder wird da am Ende der Mensch überflüssig? Das fragte man sich auch schon angesichts von Dampfmaschine, Fließband und Computer.

„Ich glaube nicht, dass durch die Industrie 4.0 unterm Strich Jobs verloren gehen“, sagt Bauernhansl. Und Klaus Bauer, Experte beim Maschinenbauer Trumpf in Ditzingen bei Stuttgart, ergänzt: „Der Mensch ist integraler Bestandteil dieses Netzwerkes. Die Mitarbeiter sind als Erfahrungsträger und Entscheider bewusst in alle relevanten Abläufe integriert.“

Bei Trumpf ist die neue Welt schon im Ansatz Realität. Und auch anderswo. AKTIV präsentiert in der folgenden Bildergalerie beispielhaft fünf konkrete, verschiedenartige Ergebnisse:

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