Generation 50+

Neuer Beruf, neues Leben


Über 50 und arbeitslos? Es gibt Chancen – man muss sie nur ergreifen

Dortmund. Mehr als 590.000 Arbeitslose über 50 Jahre sind Ende Oktober bei den Arbeitsämtern registriert. Viele von ihnen kämpfen gegen dieses Schicksal an. So wie Familienvater Heinz Jahnke.

Er ist 52, hat zwei Kinder. Der gelernte Fernmeldemechaniker wurde im  Januar 2007 zum zweiten Mal arbeitslos. Die Arbeitsvermittler an seinem Wohnsitz Birkenwerder bei Berlin: Es tut sich nichts. Keine Angebote. Dann ein Brief vom Arbeitsamt: „Lassen Sie sich doch zur Fachkraft für Stanz- und Umformtechnik ausbilden – in Dortmund.“

Zertifikat von der IHK

Jahnke überlegt nicht lange, sagt schnell zu, zieht um von der Spree an die Ruhr. Im Dortmunder Kompetenz- und Innovationszentrum für die Stanz-Technologie (kurz: „Kist“) erlernt er seinen neuen Beruf.

„Die Ausbildung ist allererste Sahne. Nach sechs Monaten habe ich das IHK-Abschlusszertifikat als Stanz- und Umformfachkraft“, freut sich Jahnke.

Mindestens 11 Euro Stundenlohn

924 Stunden lernt er, werktäglich von 8 bis 16 Uhr, drei Anwendungstrainings stehen auf dem Programm. Wenn Jahnke alles geschafft hat, ist eine Festanstellung garantiert. Zunächst für ein Jahr bei JobGarant, Stundenlohn mindestens 11 Euro. Diese Personalagentur übernimmt die neuen Stanzfachkräfte in einen Arbeitskräfte-Pool.

Der stellt Betrieben bei Auftragsspitzen Fachkräfte auf Zeit zur Verfügung, die mit ihrem aktuellen Wissen ohne lange Einarbeitungszeit loslegen können. Ein Anruf bei JobGarant genügt. Dann passiert es oft, dass der Funke überspringt: Der Neue schlägt ein, fühlt sich wohl – fester Arbeitsvertrag, höherer Stundenlohn!

Früher hieß es: Stanzen und Umformen – das ist die Truppe, die Löcher in Bleche macht.  Aber: Neue Zeiten, höhere Anforderungen. Ein Stanzer anno 2007 muss sich mit Metall und Kunststoff auskennen, mit Produktion und Umwelt, mit Spielräumen von hunderstel Millimetern. Unternehmerisches Denken, Teamfähigkeit  – alles gehört dazu. Die Maschinen und Werkzeuge sind oft Millionen Euro teuer, Stillstand oder falsche Programmierungen gehen ins Geld.

Doch wo sollen die Fachkräfte herkommen? Der Arbeitsmarkt ist in diesem Bereich leergefegt. Hier hilft Kist. Viele Stanzunternehmen  haben sich zu diesem Netzwerk zusammengeschlossen. Ziel: Fachkräfte für die deutsche Stanzindustrie aus- und weiterbilden, sie fit halten.

Lockruf der Familie

So kommen auch viele bewährte Mitarbeiter zu kurzen Auffrischungskursen ins Kist. Dazu wissen alle Arbeitsagenturen vom Netzwerk. Arbeitslose, die schon Metall-Erfahrungen haben, können sich bewerben, beispielsweise Industrie- oder Verfahrensmechaniker. Aber auch Fernmeldetechniker wie Jahnke. Er hat seine Chance genutzt, den Sprung in einen neuen Beruf gewagt. Jetzt hofft er, später in Berlin einen Job zu finden. „Es zieht mich wieder zu meiner Familie.“

E-Mail: info@jobgarant-online.de

Info: Die Stanzindustrie

Eine Branche mit großer Bedeutung: In der deutschen Stanz- und Umformindustrie arbeiten 180.000 Menschen.

Die kleinen metallenen Stanzteile, die aus einem über zwei Kilometer langen Band herausgestanzt werden,  findet man in Computern, Maschinen, Handys, Autos und Flugzeugen. Auch Münzen sind ein Stanzprodukt. Die Stanz- und Umformbetriebe können den Wettbewerb um Aufträge  nur mit hoher Produktivität gewinnen. Sie brauchen qualifiziertes Personal, das den Laden am Laufen hält. 

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