Chlor-Produktion

Neue Technik schont die Umwelt


Bayer-Forscher entwickeln effizienteres Verfahren zur Chlor-Herstellung

 

 

Der Stoff prägt unseren Alltag: Er hält im Schwimmbad das Wasser keimfrei. Er steckt in Fensterrahmen, Bodenbelägen und Kabelhüllen. Er macht CDs, Brillengläser und Auto-Scheinwerfer möglich. Und viele Medikamente  wären ohne ihn auch nicht herstellbar – Chlor.

 

 

 

Das Gas ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Chemie. Doch seine Herstellung frisst ungemein viel Strom. Und der wird immer teurer.

 

 

 

Kein Wunder, dass der Leverkusener Chemiekonzern Bayer alles daran gesetzt hat, eine neue, stromsparende Technik zu entwickeln. Zehn Jahre lang arbeitete ein 16-köpfiges Forscher-Team daran, zusammen mit Kollegen von Unis und vom Dortmunder Anlagenbauer Uhde. Würde das Ergebnis dieses Projekts hierzulande in allen Chlor-Fabriken eingesetzt, ließe sich der gesamte Stromverbrauch Deutschlands um ein Prozent senken. Und es würden 3 Millionen Tonnen weniger klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt.

 

 

 

Im Mai ging das neue Verfahren im Werk Krefeld-Uerdingen in einer Demo-Anlage in den Praxistest. Projektmanager Matthias Weis: „Damit wollen wir 20.000 Tonnen Chlor im Jahr herstellen und die langfristige Zuverlässigkeit der Technik nachweisen.“

 

 

 

Ein Drittel Strom gespart

 

 

 

Auch die neue Technik erzeugt Chlor mithilfe von Strom aus Kochsalz, per Elek­trolyse. Neu ist, dass jetzt an ­einer Elektrode Sauerstoff mitreagiert. Und das erleichtert die Reaktion deutlich: „Auf diese Weise können wir die Spannung im Vergleich zur heute üblichen Membran-Technik um ein Drittel absenken und gegenüber dem alten Amalgam-Verfahren sogar um die Hälfte“, erläutert Projektmanager Weis. Eine Tonne Chlor herzustellen, verbraucht daher nur 1.600 Kilowattstunden Strom statt wie bisher 2.400 Kilowattstunden.

 

 

 

 

 

 

 

Das macht viel aus. 5 Millionen Tonnen Chlor erzeugen Chemie-Unternehmen hierzulande pro Jahr. „Bundesweit eingesetzt, könnte man deshalb eine Strommenge sparen, wie sie zur Versorgung einer Millionenstadt wie Köln nötig ist“, rechnet Tony Van Osselaer vor, der Technologie-Vorstand bei Bayer Material­Science. „Das würde ein 700-Megawatt-Kraftwerk überflüssig machen.“ Und der Umwelt viel Klimagas ersparen.

 

 

 

Das haben die Bayer-Forscher natürlich mit im Auge. Denn von 2012 an erhalten Kraftwerke und Betriebe in der EU die Ausstoßrechte für das Klimagas nicht mehr umsonst zugeteilt, sondern müssen dafür bezahlen. Das macht die stromsparende Technik noch attraktiver. Beim Neubau einer Chlorfabrik ist sie das ohnehin. Doch wenn es darum geht, eine alte Anlage umzurüsten, sieht die Rechnung noch nicht so gut aus: Es dauert etwa acht Jahre, bis die Kosten wieder eingespielt sind.

 

 

 

Know-how weltweit anbieten

 

 

 

Van Osselaer schlägt daher vor, den breiten Einsatz solcher stromsparender Techniken zu fördern. Bayer will aber auf jeden Fall möglichst bald umstellen, wenn der Dauertest wie erwartet positiv verläuft. „Das sind wir unserem Anspruch schuldig“, sagt Weis. „Wir wollen noch umweltschonender produzieren als jetzt schon.“ Zudem will der Konzern das Verfahren auf dem Weltmarkt anbieten. Das geht besser, wenn er es auch selbst einsetzt.

 

 

 

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