Tarifpolitik

Neue Jobs im Hochlohnland


Qualität zahlt sich aus: Hunderte Arbeitsplätze bei Sanofi-Aventis

Frankfurt. „Ich hab’ einen prima Job“, findet Jens Fehse, Produktionsmitarbeiter beim französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis in Frankfurt-Höchst. Er arbeitet im frisch eröffneten Werk für Insulin-Pens. Mindestens 600 zu­kunftsfeste Ar­beitsplätze gibt es hier, 500 davon sind neu entstanden. Denn deutsche Qualitätsarbeit ist hier noch gefragt – trotz der Personalkosten.

In dem 150 Millionen Euro teuren Werk stellen Fehse und seine Kollegen Geräte mit hoher Dosiergenauigkeit her. Damit können sich Zuckerkranke das Insulin angenehmer verabreichen als mit herkömmlichen Einmalspritzen. „Die Endmontage der Pens erfordert viele Handgriffe“, erklärt Hanspeter Spek, Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Konzerntochter.

Laut Spek entfallen rund 50 Prozent der Kosten am Stand­ort auf das Personal. Spräche das nicht für eine Produktion in China? Er schüttelt den Kopf: „Nein, da braucht man mehr als geschickte Hände. Wir wollen außerordentliche Präzision und Verlässlichkeit. Das kann Deutschland besser als alle anderen Länder!“

Flexibilität im Chemie-Tarif

Ein segensreicher, aber teurer Entschluss: Insgesamt beschäftigt Sanofi-Aventis in Frankfurt 8.000 Mitarbeiter, davon 4.500 in der Produktion. Hintergrund: Eine Stunde Arbeit in der westdeutschen Industrie kostet im Schnitt aller Branchen 34,29 Euro – ein Spitzenwert, teurer wäre es in Europa nur in Norwegen (40,19 Euro), Belgien (35,84 Euro) und Schweden (34,53 Euro).

In Bulgarien reichen dagegen schon 1,80 Euro, in China noch weniger. Da ist klar, dass bei einer solchen Großinvestition spitz gerechnet wird. „Uns überzeugt hier die Qualität, immerhin ist der Pen ein Arzneimittel“, so Deutschland-Chef Martin Siewert.

Dass sich das auch finanziell kalkulieren lässt, dafür sorgt der Chemie-Tarifvertrag: Er gibt bis 2010 Planungssicherheit, für das kommende Jahr ist eine Lohnerhöhung von 3,3 Prozent vereinbart.

„Zudem lässt der Vertrag den Unternehmen durch die Öffnungsklauseln Luft zum Atmen“, erklärt Mark-Dominik Schneider, Tarif-Experte beim Bundesarbeitgeberverband Chemie in Wiesbaden.

Schneider: „Bei Produktionsspitzen können Arbeitgeber und Betriebsrat die wö­chentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden auf 40 Stunden ausweiten. Oder bei schlechter Konjunktur auf 35 Stunden herunterfahren. Natürlich bei entsprechend variabler Bezahlung.“

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