Da ist mehr drin!

Netto geht noch was für die Arbeitnehmer


Berlin. Staatssäckel und Sozialkassen sind prall gefüllt: weil die Konjunktur brummt und weil die meisten Beschäftigten höhere Abgaben leisten – nach dem Entgelt-Plus der letzten Tarifrunden.

Gut 597 Milliarden Euro wird der Staat in diesem Jahr einnehmen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ausgerechnet. Das wäre eine Milliarde mehr als bei der Steuerschätzung im Mai vorhergesagt.

Kampf gegen die „kalte Progression“

„An dieser Entwicklung haben die steigenden Löhne den größten Anteil“, erklärt Kristina van Deuverden. Die Wissenschaftlerin des DIW hat die Daten über das Steueraufkommen zusammengetragen und ausgewertet.
Und der Bundestag hat entschieden: Vom kommenden Jahr an soll für die Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto übrig bleiben – durch das „Gesetz zum Abbau der kalten Progression“.

Von „kalter Progression“ spricht man, wenn es nach einer Lohnsteigerung zu einer höheren Belastung durch den ansteigenden Steuertarif kommt, obwohl das Lohnplus zu einem Teil nur die Preissteigerungen ausgleicht.

Das Gesetz – dem die Länder noch zustimmen müssen – sieht eine flachere Steuerkurve vor. Dadurch wird ein alleinstehender Arbeitnehmer, der im Jahr 40.000 Euro verdient,  um 197 Euro entlastet. Das sind rund 16 Euro monatlich – immerhin.

Doch da ist noch mehr drin. Von rund 621 Milliarden Euro Steuereinnahmen im kommenden Jahr spricht das DIW – 2,7 Milliarden mehr als zuvor errechnet: „Die Entlastung durch das Gesetz ist darin schon berücksichtigt“, sagt van Deuverden.

Kasse schafft Praxisgebühr ab

Spielraum bieten auch die Sozialabgaben. So hält die Deutsche Rentenversicherung eine Senkung des Beitragssatzes von 19,6 auf 19,0 Prozent für machbar. Bei 40.000 Euro Jahresbrutto würden unterm Strich pro Monat 10 Euro mehr übrig bleiben.

Und die Krankenkassen? Zwar schwellen auch deren  Rücklagen an. Von Überschüssen könne aber  keine Rede sein, stellt Niklas Potrafke vom Ifo-Institut in München fest. „Über den Gesundheitsfonds werden hier Steuergelder zugeschossen“, sagt der Ökonom.

Mit sinkenden Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung wird es so schnell also nichts. Hier und da aber  geht durchaus etwas.  Wie bei der Hanseatischen Krankenkasse. Sie hat die Praxisgebühr für Zahnarztbesuche einfach abgeschafft.

Kassiert der Staat die Bürger ab?

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