Kiosk-Branche

My home is my Kiosk


Besitzer der Trinkhallen haben gegen starke Konkurrenz zu kämpfen

Gelsenkirchen. Morgens um fünf ist die Welt noch in Ordnung. Dann öffnet Karin Fordonski die kleine türkisfarbene Luke mit dem Aufkleber „I love Ruhrgebiet“ und bewirtet ihre ersten Gäste. Kaffee, Brötchen, Zigaretten.

Ihr Kiosk hier im Gelsenkirchener Stadtteil Heßler liegt ziemlich günstig. Die Straße ist sehr gut befahren, und Parkmöglichkeiten gibt es auch. „Das ist mein Glück, ich komme noch ganz gut über die Runden“, sagt die 61-Jährige. „Obwohl der Umsatz seit ein paar Jahren stetig sinkt.“

Doch auch, wenn viele Trinkhallen-Besitzer durch harte Zeiten gehen: Bundesweit ist das Geschäft stabil – Krise hin oder her. Der Umsatz liegt seit Jahren bei 8,5 Milliarden Euro, das belegt eine Studie der Münchner Unternehmensberatung Bain and Company. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes HDE gibt es bundesweit rund 47.000 Kioske.

Der Lukenkiosk steht unter Druck

Auch der Schalke-Fan Kurtcan Azgun (42) wäre mit der Verkehrsanbindung seiner Bude, wie man hier im Ruhrpott sagt, zufrieden. Wenn nicht vor ein paar Jahren ein Lidl-Markt in seiner unmittelbaren Nachbarschaft eröffnet hätte. Seitdem ist sein Umsatz um ein Drittel eingebrochen. 

„Wenn ich nicht hauptberuflich Lokomotivführer wä­re, könnten wir wahrscheinlich gar nicht existieren“, sagt Azgun. Meistens steht hier in Gelsenkirchen-Ückendorf seine Frau hinter der Theke, manchmal auch eines der beiden erwachsenen Kinder. Ein Familienbetrieb. Alle müssen mit anpacken. Eine Aushilfe können sich die Azguns nicht leisten.

Ob ein Kiosk überleben kann, hängt stark vom Standort ab: Kommt hier viel Laufkundschaft vorbei? Gibt es genügend Parkplätze? Sitzt die Konkurrenz in der direkten Nachbarschaft?

Vor allem der klassische Lukenkiosk, so wie ihn Kurtcan Azgun und Karin Fordonski betreiben, muss sich behaupten: gegen die längeren Öffnungszeiten der Einkaufszentren und Discounter. „Unter diesem Konkurrenzdruck“, so Olaf Roik vom HDE, „sind die Kioske gezwungen, sich zu  professionalisieren, ihre Geschäftsflächen zu vergrößern und ihr Sortiment den Kundenwünschen anzupassen.“ Azgun zum Beispiel hat neuerdings auch Billigbier im Regal stehen.

Zigaretten bringen das meiste Geld

Einen Kiosk wollte Karin Fordonski schon haben, als sie noch in einer Bank arbeitete. Hunderte Produkte verkauft sie hier von 5 bis 23 Uhr. Zwischen 13 und 17 Uhr ist ihr Lädchen geschlossen. Viel neuartiger Schnickschnack steht in den Regalen, wie Kratzeis und Hello-Kitty-Lollis. Klassiker wie Salinos und Veilchen gibt es auch. Und natürlich Bier, Zeitungen und Eis. Am besten laufen heute Zigaretten. 70 Prozent ihres Umsatzes, so schätzt Fordonski, machen die Tabakwaren aus.

In ihrer Bude hat sie es sich heimelig gemacht. Andenken aus der Vergangenheit stehen hier rum, Postkarten hängen an der Wand. Das Schmuckstück ist eine alte Kasse, an der man noch kurbeln muss. 

Kaum vorstellbar für die Dame, dass sie hier irgendwann einmal nicht mehr mit ihren Stammkunden plaudern kann. Freunde dürfen sogar im Ladeninneren einen Kaffee trinken. „Das hier ist mein Wohnzimmer“, sagt sie. Das haben die Discounter nicht zu bieten.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund dafür, dass sich die Büdchen-Branche so gut über Wasser hält.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang