Energiesparen

Mollig warm dank Raffinerie


Das Unternehmen MiRO versorgt Karlsruhe demnächst mit Fernwärme

Auch ein gemeinsamer Plausch am Feierabend kann umweltschonend sein. Etwa, wenn sich zwei befreundete Ingenieure wie Manuel Rink und Ulrich Poschmann auf ein Glas treffen. An einem lauen Sommerabend im Jahr 2004 in Karlsruhe war sie plötzlich da, die zündende Idee: Wie wäre es, wenn man mit überschüssiger Wärme aus der Raffinerie in der Stadt heizen könnte?

Die „Schnapsidee“ ließ Rink, Leiter der Fernwärmeversorgung bei den Stadtwerken Karlsruhe, und seinem Kollegen Poschmann, Leiter Sicherheit und Umwelt bei der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) keine Ruhe. Sie blieben dran, überzeugten Vorgesetzte, die Stadt und die Firma.

30 Millionen Euro für die Umwelt

Jetzt wird ihre Vision langsam Wirklichkeit. Bauarbeiter verlegen schon Rohre zwischen Stadt und Raffinerie. Bis 2010 soll alles fertig sein. Dann wird die MiRO fast 45 Me­ga­watt Wärme ins Karlsruher Fernwärmenetz einspeisen.

Rund 30 Millionen Euro in­vestieren Stadt und Raffinerie in das gemeinsame Umwelt-Projekt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel beteiligt sich daran mit mehr als 5 Millionen Euro Förderung. Der Minister findet, das Karlsruher Beispiel sollte Schule machen.

Denn: „45 Megawatt, das reicht für mehrere Tausend Haushalte“, weiß Karl Roth, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke. Das Gute da­ran: Die Raffinerie produziert rund um die Uhr, liefert das ganze Jahr Wärme und ersetzt so einen großen Teil der von der Stadt erzeugten Fernwärme. Rink: „Wir müssen unser Heizkraftwerk dann nicht mehr so oft und so lange hochfahren wie jetzt. Das spart teures Gas und schont die Umwelt.“ Die wird um rund 65.000 Tonnen Klimagas Kohlendioxid pro Jahr entlastet.

Auch die Raffinerie profitiert. Statt überschüssige Prozesswärme einfach an die Luft abzugeben, wird sie in Zukunft ge­nutzt. „Wir steigern so unsere Energie-Effizienz um rund 3 Prozent“, sagt MiRO-Chef Hans-Gerd Löhr. Das Raffinerie-Unternehmen stehe dann im euro­päischen Vergleich „noch besser“ da.

Wie die Heizung, nur viel größer

Wie das Ganze funktioniert? Die Stadt und die Raffinerie werden durch einen Heißwasser-Kreislauf miteinander verbunden – wie bei der Heizung zu Hause. Die fünf Kilometer lange Rohrleitung benötigt des­halb zwei Stränge.

Im einen Rohr strömt rund 120 Grad Celsius heißes Wasser unter Druck von der Raffinerie zum Heizkraftwerk. Von hier aus wird es an 21.000 Wohnungen sowie Schulen, Ämter, Ge­schäfte und Betriebe verteilt, die damit Warmwasser erzeugen und heizen.

Das Wasser kühlt dabei auf 70 Grad Celsius ab und fließt durch das zweite Rohr zur Raffinerie zurück. Die heizt es mit ihrer Abwärme wieder auf.

Damit das auch einwandfrei klappt, schafft die MiRO ein knappes Dutzend topmoderner Wärmetauscher an. „Die übertragen die Wärme zwischen Anlage und Fernwärme-Kreislauf optimal“, schildert MiRO-Projektleiter Gerd Telpl die Vorzüge. „Kurz: Die machen das alles erst möglich.“

Im Herbst sollen die Apparate installiert werden. Weitere könnten hinzukommen. Denn bei den Stadtwerken und der Raffinerie denkt man schon weiter. Die MiRO könnte noch einmal 45 Megawatt Wärme liefern – für zwei Neubaugebiete.

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