Handel mit Kleidung

Modefirmen suchen faire Lieferwege


Bielefeld. Erschütternde Nachricht aus Bangladesch: Mehr als 370 Menschen starben Ende April beim Einsturz einer Textilfabrik.

Und in Deutschland stellen die Menschen sich zunehmend die Frage: Unter welchen Bedingungen wurde die Kleidung produziert, auf deren Etiketten Made in Bangladesch, China oder Vietnam steht? Das kritische Verhalten der Verbraucher hat – längst vor der jüngsten Tragödie – den Druck auf die Modeanbieter erhöht.

„Dieser Druck ist wichtig und wirksam“, sagt Gerd-Oliver Seidensticker, Präsident des Branchenverbandes German Fashion und Mitinhaber des gleichnamigen Hemdenherstellers aus Bielefeld. Mittlerweile bemühen sich die meisten Unternehmen ernsthaft darum, die verschlungenen Pfade ihrer Stofflieferanten, Subunternehmer und Bekleidungsfabrikanten in Fernost auszuleuchten und sie auf Standards bei Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen einzuschwören. Doch das ist nicht einfach und braucht Zeit.

„Viele Betriebe stoßen da zum Teil in abenteuerliche Regionen vor, die sich noch nie mit Industriestandards beschäftigt haben“, sagt Seidensticker. Der 47-Jährige hat selbst jahrelang für den Hemdenspezialisten in Hongkong gearbeitet. Sein Fazit: „Letztlich muss man sich entscheiden, ob eigene Leute vor Ort Produktionsprozesse und Sozialstandards kontrollieren.“

Seidensticker geht sogar noch weiter. Das Unternehmen produziert in eigenen Werken in Vietnam und neuerdings in Bangladesch – mit geregelten Gehältern, Arbeitszeiten und Arbeitsschutz. „Zusätzlich kontrollieren wir unsere Weber, bei denen wir Stoffe in verschiedenen Ausrüstungen kaufen“, sagt Peter Tornow, der in Hongkong den Markt für die Bielefelder unter die Lupe nimmt. Zutaten wie Knöpfe oder Etiketten bezieht er grundsätzlich von nur einem einzigen Lieferanten.

Kontrollieren, auf Standards pochen, Transparenz schaffen. „Den Königsweg zur sauberen Lieferkette gibt es zwar nicht“, sagt der Frankfurter McKinsey-Berater Achim Berg. Zulieferer zu langfristigen Partnern aufzuwerten, könne aber schon helfen.

Ein erster Schritt dahin ist das Online-Portal Tradegood (Deutsch: gut handeln). Dort finden Modefirmen die ständig aktualisierten Steckbriefe potenzieller Lieferanten. Etwa 6.000 Textilbetriebe aus China, Vietnam und Bangladesch sind dort derzeit gelistet. Monatlich kommen rund 2.000 hinzu.

Wer bei Sicherheit, Arbeitszeiten oder Mindestlohn patzt, fliegt raus. Seidenstickers Hoffnung: „Die gut beurteilten Firmen sind dabei und erfolgreich, die anderen nicht. So haben wir eine Chance, Einfluss auf die Produktionsbedingungen zu nehmen.“

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