Standpunkt

Mobbing von Staats wegen

Manager in der Kritik: Die "Affäre" Thomas Middelhoff

Nicht nur Showstars wie Paris Hilton oder Dieter Bohlen mögen die „Medienbegleitung“. Auch unsere Behörden. Das war schon bei der Affäre um den der Steuerhinterziehung überführten früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel zu beobachten: Zusammen mit Staatsanwaltschaft und Polizei standen, oh Wunder, auch gleich Fernsehen und Presse vor seiner Haustür.

Jetzt trifft es Thomas Middelhoff, den Ex-Karstadt-Chef. Was als ein zum Himmel stinkender Manager-Skandal präsentiert wird, trägt in feineren Nasen den Duft offizieller Stänkerei.

Ins Rollen kam der Fall durch einen Denunzianten-Schrieb der Bundesjustizministerin an ihre Kollegin in Nordrhein-Westfalen. Unter medialer Begleitung wurde die Post aus Berlin an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, welche prompt ihre erneut medial ausgewalzten Ermittlungen aufnahm. Denunziatorisch ist dieses Verfahren deshalb, weil es ohne Stellungnahme und Beweisaufwand des Zuträgers auskommt. Lieschen Müller hätte mit dieser Tour keine Chance.

Die Ministerin aber kann eine Staatsaktion auf einen kindischen Verdacht stützen: Dass der Chef eines der größten börsennotierten Konzerne, unter Manipulation von Vorständen und zuständigen Mitarbeitern, der Firma mal eben 75 Millionen Euro Außenständen streichen könnte – weil ihm das so passt.

Vor seiner Karstadt-Zeit hatte sich Middelhoff aus seinem privaten Vermögen mit an die 5 Prozent an einem Immobilienfonds beteiligt, der wiederum Geld in fünf Karstadt-Häuser investierte. Die 75 Millionen sollten den Medienberichten zufolge als „Ausgleich“ für zu hohe Mieten an Karstadt zurückfließen. Der Konzern habe für jene fünf Häuser bis zu 17 Prozent des Umsatzes an den Vermieter abgeführt, bundesweit aber nur 7 Prozent.

Angeblich war Karstadt (vor Middelhoffs Zeit!) auf eine bizarre Spekulation verfallen: Im Gegenzug für die Wuchermieten habe der Konzern an Immobiliengeschäften beteiligt werden sollen.

Middelhoff hat jedoch eine sehr viel einfachere Erklärung: Die Immobilienfirma hat die fünf Häuser gekauft, abgerissen und nach Vorgaben von Karstadt samt Innenausbau neu hochgezogen. Die bei solchem Aufwand fälligen Mieten mögen „ungewöhnlich hoch“ erscheinen – gemessen an der für Altbauten.  Doch für „Ausgleich“ gab es dann keinen Anlass.

Bei schon weltfremdem Tatvorwurf fehlt auch noch der Tatgegenstand. Dank Medienbegleitung bleibt nur eins: der Gestank.


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Schlagwörter: Gesellschaft

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