Dramatische Prognose

Mitarbeiter werden Mangelware

Nürnberg. Täglich das gleiche Spiel: Ihr Betrieb schickt frühmorgens einen Personaler zum Arbeitsamt – damit er vor dem Eingang lauert, um der Konkurrenz die Joblosen wegzuschnappen, die sich dort im Laufe des Tages zeigen. Oft kommt aber gar keiner … Können Sie sich das vorstellen? Nicht wirklich, oder? Dabei ist das nur eine denkbare Folge dessen, was uns bevorsteht: Die Zahl der Arbeitskräfte im Lande wird dramatisch sinken. Einfach, weil die Bundesbürger zu lange zu wenig Kinder gezeugt haben.

Schon 2025 fehlen drei Millionen

„Den Betrieben werden immer weniger und im Durchschnitt deutlich ältere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen als heute“, warnt Johann Fuchs, Experte fürs Thema beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Er hat mehrere Szenarien durchgerechnet, die Rente mit 67 ist dabei freilich schon berücksichtigt. In einer Variante sinkt das „Erwerbspersonenpotenzial“ bis 2050 um zwölf Millionen (!) Menschen. Bereits 2025 fehlen drei Mil - lionen Arbeitskräfte – mehr, als es heute Arbeitslose gibt.

Und das ist noch eine optimistische Variante. Das IAB geht dabei davon aus, dass einerseits der Anteil der erwerbstätigen Frauen und vor allem der erwerbstätigen Älteren steigt und andererseits pro Jahr 100.000 Menschen mehr ein- als auswandern.

Ein doppelt so hoher „Wanderungssaldo“ würde die Lücke zwar etwas kleiner machen, aber bei weitem nicht schließen. Zuwanderung tut also not – sie kann die Folgen des demografischen Wandels zumindest mildern.

Die IAB-Forscher haben übrigens mit 1,4 Kindern pro Frau gerechnet. Jüngste Meldungen, dass sich dieser Wert vielleicht auf 1,6 Kinder pro Frau erhöhen könnte, lassen Fuchs kalt: „Sollte sich das bestätigen, sähen wir frühestens 2030 einen Effekt am Arbeitsmarkt – und der wäre nur marginal.“


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