Tarifpolitik

Mitarbeiter als Miteigentümer


Arbeiter und Kapitalist zugleich: In Deutschland sind nur rund 2,3 Millionen Mitarbeiter an ihren Betrieben beteiligt. Fotos: fotolia (2); Montage: Roth

… das kann schiefgehen: Experten weisen auf Risiken der Kapitalbeteiligung hin

München. Der Grundgedanke ist nicht schlecht: Mitarbeiter investieren in ihren Betrieb. Das motiviert und verstärkt die Identifikation mit dem Unternehmen. Mitarbeiter-Beteiligung hat eine lange Tradition. Als Instrument zur Finanzierung von Betrieben ist sie allerdings nicht ohne Risiko für die Geldgeber.

„Der Arbeitnehmer setzt unter Umständen seine ganze Existenz auf eine Karte“, erklärt Sebastian Kolbe, Arbeitsrechtler am Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht an der Universität München. Das kann auch schiefgehen: „Wenn das Unternehmen in die Insolvenz geht, ist nicht nur sein Arbeitsplatz in Gefahr, sondern auch seine Geldanlage.“

Und was, wenn mit der Beteiligung von vornherein Unternehmen saniert werden sollen? Derzeit sind solche Modelle im Gespräch: Mitarbeiter verzichten auf Teile ihres Entgelts. Als Gegenleistung erhalten sie Anteile.

Umstritten: Bündelung von Anteilen

Als Gegenleistung für Lohnverzicht sind in der Regel allerdings Arbeitsplatz-Garantien üblich. Eine doppelte Gegenleistung zu bringen und dafür auch zu haften, würde Unternehmen wiederum in die Zwickmühle bringen.

Die Industriegewerkschaft Metall strebt an, Beteiligungen möglichst zu bündeln, etwa in Gesellschaften oder Stiftungen. Der einzelne gibt dann seine durch die Kapitalbeteiligung gewonnenen Stimmrechte ab. Experte Kolbe: „Das hat für ihn den Nachteil, dass er persönlich den Einfluss auf das Arbeitgeber-Unternehmen verliert.“

Über stärkere Kapitalbeteiligung die Mitbestimmung auszuweiten, ist ohnehin schwierig. „Belegschaften haben bereits ein gesetzliches Recht auf Mitbestimmung“, erläutert der Arbeitswissenschaftler Kolbe. Wenn dieses kombiniert werde mit einem weiteren Mitspracherecht aufgrund von Kapitalbeteiligung, könne das zu einer Dominanz der Arbeitnehmerseite führen. Das sei verfassungsrechtlich problematisch, da auf diese Weise Eigentum ausgehöhlt werden könne.

Mitarbeiter-Beteiligungen werden hierzulande übrigens nur in knapp 4.300 der rund 3,5 Millionen Betriebe genutzt, schätzt die Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft.

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