Zuwanderung

Mit offenen Armen


Gute Leute willkommen! Unser Nachbarland Österreich erleichtert die Zuwanderung – seiner Bevölkerung gefällt das. Montage: Roth

Was wir von Österreich lernen können

Wien. Arbeitgeber und Gewerkschaften entwickeln gemeinsam ein Modell, um mehr Personal ins Land zu holen: Ja, wo gibt’s denn so was? In unserem Nachbarland Österreich! Was sich dort tut, urteilen Experten, sollte für uns Vorbild sein.

Wie bei uns wird in Österreich der Anteil der Senioren an der Bevölkerung dramatisch zunehmen. Wie bei uns werden Fachkräfte knapp.

Abhilfe sollen unter anderem gute Kräfte aus fernen Ländern schaffen: „Wir breiten für qualifizierte Zuwanderer jetzt den roten Teppich aus“, erklärt Margit Kreuzhuber, „innerhalb der EU ist Österreich da ein Vorreiter.“ Kreuzhuber ist Beauftragte für Migration der Wirtschaftskammer Österreich, in der mehr als 400.000 Betriebe organisiert sind.

Die Expertin betont sofort, dass man im Alpenland das Rad nicht etwa neu erfunden hat: Bei der Arbeit an einem transparenteren Einwanderungsrecht habe man sich unter anderem an Australien und Kanada orientiert.

Deutsch-Kenntnisse nicht nötig

Ergebnis ist ein Punkte-System, das ab Juli für alle Menschen aus Staaten jenseits der EU gelten soll. Vereinfacht erklärt, funktioniert die Sache so: Wer genug Punkte mitbringt, bekommt die neue „Rot-Weiß-Rot-Card“ und darf einen Job in Österreich antreten.

Ob er genug Punkte hat, kann sich jeder vorab selbst per Internet ausrechnen. Diese Punkte gibt es zum Beispiel für deutsche oder auch englische Sprachkenntnisse – wobei beide gleich hoch gewertet werden! Und wer die Hürde für „besonders Hochqualifizierte“ nimmt, kann ohne Job einreisen – und hat dann sechs Monate Zeit, um sich eine Stelle zu suchen.

Nach einem Jahr Arbeit im Lande darf jeder Neubürger  Firma und Branche wechseln: „Er hat dann freien Zugang zum Arbeitsmarkt“, sagt Kreuzhuber. Für seine Familie gelte das von Anfang an.

Diesem rot-weiß-roten Beispiel sollte Deutschland folgen, urteilt Holger Hinte, Experte für Zuwanderung am Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit: „Was Österreich plant, das ist sehr interessant, sehr vernünftig – und für uns sehr lehrreich.“

„Für uns ist es allerhöchste Zeit“

Deutschland müsse mehr tun, um sich „als Zielland für qualifizierte Migranten zu platzieren“, so Hinte weiter. „Und dafür ist es allerhöchste Zeit – weil solche Änderungen nur stark zeitversetzt Wirkung zeigen.“ Es könne gut ein Jahrzehnt dauern, bevor ein neues „Angebot“ wie die Rot-Weiß-Rot-Card überhaupt weltweit wahrgenommen werde.

Anders als bei uns muss nebenan über das Thema nicht mehr groß gestritten werden: Eine GfK-Austria-Umfrage ergab schon 2010, dass drei Viertel der Österreicher die neuen Zuwanderungsregeln befürworten.

 

Info: Punkte sammeln

Hochqualifizierte Zuwanderer etwa aus Indien benötigen künftig 70 von 100 möglichen Punkten, um in Österreich arbeiten zu dürfen. Die könnten sich zum Beispiel so ergeben:

Der Kandidat ist höchstens 45 Jahre alt (10 Punkte), hat einen Hochschulabschluss (20 Punkte), fünf Jahre Berufserfahrung (10 Punkte) und gute Englisch-Kenntnisse (10 Punkte). Außerdem weist er Leistungen in Forschung und Entwicklung nach, das bringt ihm 20 Punkte.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang