Interview

„Mit lauter Heidi Klums werden wir die Zukunft nicht gewinnen“


Kautschukarbeitgeber-Chef Volker Schmidt: Frauen unterschätzen die Technik-Berufe

Fachkräftemangel wird auch für die Kautschuk-Industrie zu einer Wachstumsbremse, sagt Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes ADK.

AKTIV: Die Wirtschaft klagt über Personalnot. Auch die Kautschuk-Industrie?

Schmidt: Unsere Branche hat einen akuten Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Vor allem in den MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik. Mir macht große Sorge, dass es in keinem anderen europäischen Industrieland so wenig Nachwuchs an Ingenieuren gibt wie bei uns.

AKTIV: Sie unterstützen ja auf vielen Terminen persönlich die Nachwuchswerbung, etwa auf der IdeenExpo vom 27. August bis 4. September in Hannover. Welche Erfahrungen machen Sie bei derartigen Begegnungen im Umgang mit den jungen Menschen?

Schmidt: Sie haben oftmals die falschen Vorstellungen darüber, was ihnen die Arbeitswelt zu bieten hat – weil sie nicht wissen, wie spannend technische Berufe sind. Das betrifft gerade die intelligenten jungen Damen, auf die auch die Kautschuk-Industrie händeringend angewiesen ist. Viele haben allerbeste Schulnoten – und träumen statt von einem Ingenieurstudium von einer Karriere zum Beispiel als Model, als Schauspielerin oder als Moderatorin.

AKTIV: Woran liegt das?

Schmidt: Ich glaube, es liegt an dem Bild, das uns vor allem das Fernsehen ständig von der Wirklichkeit generiert. „Germany’s next Topmodel“ ist in den Köpfen einfach präsenter als ein noch so gut gemachtes Wissensmagazin. Nichts gegen Heidi Klum. Aber mit lauter kleinen Laufsteg-Feen werden wir die Zukunft im weltweiten Wettlauf der Industrie-Standorte nicht gewinnen. Ingenieurinnen braucht unser Land.

AKTIV: Vor gut einem Jahr stellte Ihr Verband fest, dass die Bewerbungen um Ausbildungsplätze viele Mängel aufweisen. Wie ist es in diesem Jahr?

Schmidt: Leider ist es noch immer nicht besser geworden. Nach wie vor weisen rund 40 Prozent der Bewerbungen starke Mängel auf. Dieses Problem spüren unsere Unternehmen immer mehr. Es darf kein Tabuthema sein. Da müssen wir ran.

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