Neue Studie

Mit Dienstleistungen haben Industrieunternehmen die Nase vorn

München. Ohne guten Service ist man auch mal schnell raus aus dem Geschäft: Das gilt heute zunehmend auch für Industrieunternehmen. Immer mehr Firmen erkennen das und handeln – indem sie ihre Kompetenzen über das klassische Herstellen von Waren hinaus ausweiten. Dies ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der Kölner Beratungsgesellschaft IW Consult zur sogenannten hybriden Wertschöpfung.

Demnach boten letztes Jahr 25 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland neben dem Kerngeschäft in nennenswertem Umfang produktbegleitende oder produktergänzende Dienstleistungen an. 2011 lag der Anteil noch bei 16 Prozent.

Beispiele sind Montage, Wartung und Entsorgung

Die Studie, die im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erstellt wurde, zählt 20 Tätigkeiten zum Service-Spektrum eines hybriden Unternehmens. Beispiele sind Montage, Instandhaltung, Qualitätskontrolle oder Entsorgung. Aber auch die Hilfe vor der eigentlichen Nutzung eines Produkts, etwa Marktanalyse, Entwicklung oder Mitarbeiterschulung, gehört dazu.

Weil solche Dienstleistungen natürlich unmittelbar an der Produktion von Gütern hängen, ist die Bedeutung der Industrie umso größer. Laut Statistischem Landesamt machte das verarbeitende Gewerbe im Jahr 2014, relativ zur Gesamtwirtschaft, 26 Prozent der Bruttowertschöpfung in Bayern aus. Doch der sogenannte Industrie-Dienstleistungs-Verbund hat laut IW-Consult-Studie einen Anteil von rund einem Drittel.

Der Studie zufolge nennen 96 Prozent der hybriden Firmen Kundenbindung als häufigstes Ziel ihrer Strategie. Jeweils eine deutliche Mehrheit plant überdies, mit ihrem um Service erweiterten Geschäftsmodell Neukunden zu gewinnen sowie Ertrag und Umsatz zu steigern.

„Industrieprodukte sind heute vielfach ohne vor- und nachgelagerte Dienstleistungen gar nicht mehr denkbar“, schreiben die Autoren. Der Service stabilisiere das Kerngeschäft. Außerdem könnten sich Unternehmen so auch einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wettbewerbern ohne entsprechendes Dienstleistungsangebot verschaffen – selbst wenn diese günstiger sein sollten.

Eine von vielen Firmen in Bayern, die mit produktionsnahen Dienstleistungen großen Erfolg hat, ist MTU Aero Engines in München. Der Triebwerkhersteller fertigt und entwickelt nicht nur Antriebe für Zivilflugzeuge und Militärjets, sondern übernimmt auch deren Instandhaltung. Das Geschäft ist sehr ertragreich, garantiert einen verlässlichen Umsatz über die gesamte Lebensdauer von Triebwerken und macht unabhängiger vom schwankenden Neugeschäft.

Die Vereinbarungen sehen sehr unterschiedlich aus: Bei sogenannten Time-and-Material-Verträgen beispielsweise kommt der Kunde für Wartungsarbeit und Ersatzteile auf. Im Rahmen von „Power-by-the-Hour“-Aufträgen entscheiden sich Fluggesellschaften für ein Rundum-sorglos-Paket – und zahlen nur noch für die Zeit, während der sie ein Triebwerk nutzen.

Das gibt Fluggesellschaften Planungssicherheit. Und setzt für MTU Anreize zu Innovationen. Außerdem bietet es Chancen auf höhere Gewinne. Denn jede Neuerung, die die Triebwerkwartung günstiger macht, zahlt sich dann für die Firma aus.

MTU hat dieses Geschäft über viele Jahre hinweg weiterentwickelt und hat damit auch Vorbildcharakter für andere Firmen. Der Trend zu mehr Dienstleistungen im Verbund mit industrieller Wertschöpfung ist nämlich ungebrochen. Die IW-Consult-Studie prognostiziert, dass bereits 2019 knapp ein Drittel aller Industrieunternehmen Dienstleistungen anbieten wird – das wäre eine Verdopplung gegenüber 2011.


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