„Sehr deutliche Auswirkungen“

Mindestlohn: Bundesbank registriert Preisanstiege in vielen Branchen

Frankfurt. Es läuft gut am Arbeitsmarkt: Mit 2,84 Millionen Jobsuchern gab es im April immerhin 100.000 weniger als noch vor einem Jahr. Der im Januar in Kraft getretene flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde treibt diese Zahl bisher nicht sichtbar nach oben. Trotzdem steht im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, der von Fachleuten in der ganzen Welt genau registriert wird, eine dreiseitige Analyse zum Mindestlohn.

Demnach spüren jedenfalls die Verbraucher erste Konsequenzen. Es zeigten sich „sehr deutliche Auswirkungen des Mindestlohns auf die Preise“, heißt es da. Schließlich geben die Verbraucher laut Statistischem Bundesamt ein Drittel ihres Geldes für Dienstleistungen aus. Und von denen, das haben die Bundesbank-Ökonomen ermittelt, ist wiederum „ein Drittel nennenswert vom Mindestlohn betroffen“.

Die Entwicklung zweier Service-Branchen haben sich die Autoren des Berichts genauer angesehen: das Taxigewerbe und das Friseurhandwerk. Besonders Taxifahrten haben angezogen. Im Bundesdurchschnitt erhöhten sich die Preise seit Jahresbeginn um etwa 10 Prozent. Hintergrund: Vor der Einführung des Mindestlohns verdienten die Taxifahrer in Westdeutschland nur zwischen 6 und 6,50 Euro pro Stunde, in Ostdeutschland noch weniger. Dabei erfolgte die Vergütung häufig in Form einer Umsatzbeteiligung.

Für einen Haarschnitt müssen Bundesbürger auch mehr zahlen. In dieser Branche hatte der Mindestlohn schon Auswirkungen, bevor er überhaupt in Kraft getreten war. Beim Friseurhandwerk hat man sich schon vorher schrittweise der 8,50-Euro-Marke angenähert. 2013 gab es einen branchenspezifischen Lohn von 7,50 Euro in West- und 6,50 in Ostdeutschland. Deshalb fiel der Preisanstieg hier nicht so abrupt aus.

Auch in anderen Branchen wurde vieles teurer: von der chemischen Reinigung über Personenbeförderung, Post- und Kurierdienstleistungen bis hin zu sozialen Einrichtungen. Weiterhin rechnet die Bundesbank mit Preissteigerungen sowohl im Einzelhandel als auch im Hotel- und Gaststättenbereich. „Und es wird noch verzögerte Lohnsteigerungen geben.“

Wenn Waren teurer werden, sinkt erfahrungsgemäß über kurz oder lang die Nachfrage – das dürfte auch noch Folgen für den Arbeitsmarkt haben. Ein erstes Sorgensignal kommt von der Minijob-Zentrale: Die Zahl der Personen, die auf 450-Euro-Basis im gewerblichen Bereich beschäftigt sind, sank in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 3,5 Prozent auf 6,6 Millionen.


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