Hessische Unternehmen

Milliarden in die Zukunft investiert


Wiesbaden. Der Einsatz eines einzigen Großraumflugzeugs vom Typ A 380 sichert bei der Lufthansa rund 400 Arbeitsplätze – so viele wie in einem mittelständischen Unternehmen. Mit dieser Zahl verblüffte Christoph Franz, Vorstandschef der Lufthansa, die mehr als 1.000 Gäste des Hessischen Unternehmertags im Wiesbadener Kurhaus.

Kinderbetreuung ausbauen

„Allein in den kommenden drei Jahren wollen wir 9 Milliarden Euro für Großraumflugzeuge und Ausstattung ausgeben“, so Franz auf der Veranstaltung der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Wir alle arbeiten auf einem völlig anderen Effizienzniveau als noch vor 20 oder 30 Jahren, aber der Druck von außen ist so groß, dass es noch immer nicht reicht. Also stärken wir uns weiter für den globalisierten Wettbewerb.“

Die geplante Großinvestition der Lufthansa ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die Unternehmen in Hessen der globalen Herausforderung stellen. Rund 3 Milliarden Euro geben laut Statistischem Landesamt allein die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes, also Industrie und Handwerk, jedes Jahr dafür aus.

Und sie alle müssen sehr genau abwägen, wie viel sie in ihre Standorte in Deutschland stecken, um nachhaltig und erfolgreich zu arbeiten. Wie wichtig dafür die Rahmenbedingungen sind, erklärte VhU-Präsident Professor Dieter Weidemann: „Wer private Investoren ermuntern will, darf weder Steuern erhöhen noch neue einführen.“ Zudem forderte er eine bessere Kinderbetreuung und einen Ausbau des Bildungssystems.

Nachtflugverbot erschwert Wettbewerb

Die hessische Landesregierung will Schwerpunkte setzen in den Bereichen Familie, Bildung, Sicherheit und Infrastruktur. Dazu sagte Ministerpräsident Volker Bouffier im Kurhaus: „Wir brauchen Investitionen in die Zukunft, wenn wir unser Wohlstandsniveau halten wollen.“

In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bedeutung der Energiewende: „Ein Industrieland wie Hessen braucht eine saubere, verlässliche, aber vor allem bezahlbare Energie.“ Und eine Infrastruktur, zu der auch der Flughafen Frankfurt mit den daran hängenden 70.000 Arbeitsplätzen zählt. Verteilt auf die letzten fünf Jahre hat die Lufthansa dort und im Land rund 1 Milliarde Euro investiert.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Erweiterung des Terminals A. Dadurch können nun rund 65 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden, das sind 6 Millionen mehr als noch 2011.

Dennoch sieht Lufhansa-Vorstandschef Franz die Entwicklung in Frankfurt mit Sorge: „Benachteiligungen wie das Nachtflugverbot, oder nationale Sondersteuern, wie die Luftverkehrsabgabe, erschweren unsere Position im internationalen Wettbewerb.“

Für ihn ist klar: „Wir stellen uns auf schwierigere Rahmenbedingungen ein.“ Das neue Frachtumschlagzentrum, dessen Baubeginn für 2014 vorgesehen ist, werde daher kleiner als ursprünglich geplant.

Franz forderte deshalb mehr Unterstützung von der Politik bei der Verbesserung der Standortbedingungen. Dem konnte VhU-Präsident Weidemann nur beipflichten. Er sieht den wirtschaftlichen Erfolg Hessens als Ergebnis richtiger Entscheidungen vor vielen Jahren, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürften.

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