Interview: Aktuelle Studie zu einem Aufreger-Thema

„Mieten vielerorts gesunken“

David Benček. Foto: IFW

Kiel. Bei Neuvermietungen in begehrten Stadtvierteln dürfen Vermieter nur noch maximal 10 Prozent mehr als den ortsüblichen Preis verlangen. Über die Auswirkungen dieser Mietpreisbremse hat AKTIV mit David Benček vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel gesprochen.

Die Mietpreisexplosion ist eines der Aufregerthemen im Land. Wie schlimm ist die Lage?
Wir haben in unserer Studie herausgefunden, dass in vielen Teilen Deutschlands die Nettokaltmieten in den vergangenen 20 Jahren inflationsbereinigt sogar gesunken sind. Eine generelle Preisexplosion sehe ich nicht.

Aber die Menschen bilden sich die steigenden Kosten doch nicht ein.
Natürlich nicht. In einigen Regionen, etwa in den Ballungszentren, sind die Mietpreise ja tatsächlich angestiegen.

Könnte dort die Mietpreisbremse, die von der Großen Koalition beschlossen wurde, Abhilfe schaffen?
Nein. Zum einen sind die wachsenden Energiepreise der Grund für die Kostensteigerungen auf dem Mietmarkt. Was da eine Mietpreisbremse bringen soll, ist zweifelhaft. Außerdem wäre das ein falscher Anreiz für die Bauwirtschaft.

Warum?
Ein Investor wird zurückhaltender sein, wenn er seine Wohnung für einen Quadratmeterpreis vermieten muss, der so niedrig ist, dass es sich für ihn kaum lohnen würde. Ein solcher Markteingriff führt daher zu Mangel an Wohnungen und zu einer steigenden Nachfrage und wachsenden Preisen.

Und was wird aus denen, die höhere Mieten einfach nicht bezahlen können?
Statt Preisobergrenzen einzuziehen, sollte die Politik eher auf das Wohngeld setzen. Dieser Zuschuss richtet sich natürlich nur an Menschen mit einem zu geringen Einkommen.


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