„Wir treten ziemlich auf der Stelle“

Metall- und Elektro-Industrie: Wenig Wachstum, geringe Zuversicht

Berlin. Das Geschäft läuft, in vielen Betrieben klotzen die Mitarbeiter mächtig ran: Das gibt es – aber leider nicht überall. So richtig voran kommt die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) deshalb nicht. „Wir treten ziemlich auf der Stelle“, sagt Michael Stahl, der Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall in Berlin. Fürs ganze Jahr 2015 erwartet er 1,5 Prozent Wachstum – deutlich weniger als 2014, als der wichtigste deutschen Industriezweig um 2,6 Prozent zulegte.

Was vielen gar nicht bewusst ist: Die Produktion von Autos, Maschinen und Co. insgesamt liegt nach wie vor nur etwa auf dem Niveau von 2008, vor dem Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise.

„Der schwache Euro und der niedrige Ölpreis sind nicht von Dauer“

Und die Skepsis in den Chefetagen dauert an. Das zeigt etwa der jüngste „Konjunkturtest“, eine Umfrage des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo: Während M+E-Firmen die aktuelle Lage halbwegs positiv bewerten, liegen bei den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate Optimisten und Pessimisten fast gleichauf.

„Im Inland herrscht immer noch Investitionszurückhaltung“, betont Stahl, „das merken unsere Unternehmen, die zum großen Teil Investitionsgüter herstellen, natürlich besonders.“ Und beim Export kamen schlechte Nachrichten aus ungewohnter Ecke: Das Geschäft mit wichtigen Schwellenländern brach ein. Im zweiten Vierteljahr 2015 ging es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zum Beispiel in China um 7 Prozent runter. „Zum Glück war der US-Markt bisher noch sehr stark“, so Stahl.

Immerhin hilft der schwache Euro, er macht deutsche Produkte in Märkten jenseits der Euro-Zone günstiger. Zudem ist der Ölpreis niedrig, was Energiekosten im Rahmen hält. „Euro-Schwäche und niedriger Ölpreis sind ein Geschenk – aber nicht von Dauer“, warnt Volkswirt Stahl. „Es könnte ein böses Erwachen geben, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht im Blick behalten.“

Besonders problematisch: Die Produktivität steigt seit Jahren langsamer als die Arbeitskosten. „Der Lohnkostenanstieg ist letztlich nicht gedeckt“, erklärt Stahl. Allein in den ersten sechs Monaten 2015 stiegen die Lohnstückkosten, wichtiger Maßstab der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, um bedenkliche 3 Prozent.

Unternehmen verkraften das unterschiedlich gut. Wie gut, das hängt von der Branche ab und von den Absatzmärkten. „Wer viel nach Russland exportiert, hat Probleme“, sagt Stahl, „wer auf dem US-Markt stark ist, kommt besser klar.“

Um den ganz unterschiedlichen Geschäftsergebnissen gerecht zu werden, plädiert Gesamtmetall für eine Differenzierung in den Tarifverträgen: Entgelterhöhungen sollten zum Beispiel verschoben werden können, Einmalzahlungen auch mal niedriger ausfallen dürfen.


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