Ab Mitte Januar geht’s nicht „nur“ ums Geld

Metall- und Elektro-Industrie steht vor schwierigen Tarifverhandlungen

Berlin/Frankfurt. Die Metall- und Elektro-Industrie steuert auf eine knifflige Tarifrunde zu. Ab Mitte Januar geht es nicht „nur“ ums Entgelt – sondern noch um zwei weitere Themen, die auf die Personalkosten durchschlagen würden: Weiterbildung und Altersteilzeit.

Der Blick zurück zeigt, dass sich die knapp 3,8 Millionen Metaller über die Lohnerhöhungen der letzten Jahre nicht beklagen können. Allein die 2012 und 2013 vereinbarten Tarifabschlüsse haben brutto rund 10 Prozent mehr gebracht und die laufende Teuerung deutlich hinter sich gelassen.

2013 lag die Inflationsrate bei 1,5 Prozent. Im gesamten Jahr 2014 wird sie nach Prognose des Sachverständigenrats der Bundesregierung sogar nur 1,0 Prozent betragen, für 2015 werden 1,3 Prozent erwartet.

Jede fünfte Firma hat nichts zu verteilen

Die von der Europäischen Zentralbank offiziell angestrebte Teuerungsrate von knapp 2 Prozent ist also schon seit einer Weile reine Theorie. Trotzdem wird diese Zielgröße von der Gewerkschaft mit ins Feld geführt, um das jetzt geforderte Entgelt-Plus – 5,5 Prozent – zu begründen.

„Ich hätte mir mehr Realitätssinn gewünscht“, sagt Rainer Dulger dazu, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Manchen Betrieben gehe es tatsächlich blendend – aber in anderen drohe Kurzarbeit. Nach Angabe von Gesamtmetall schreibt etwa jedes fünfte M+E-Unternehmen 2014 bestenfalls eine schwarze Null, hat also nichts zu verteilen.

„Unsere Lohnstückkosten sind gestiegen“, warnt Dulger, „und konjunkturell bewegen wir uns auf dünnem Eis.“ Die Gewerkschaft wecke mit ihrer Forderung Erwartungen, die nicht zu erfüllen seien. Angesichts der sehr unterschiedlichen Lage der einzelnen Firmen verwies Dulger auf Instrumente, die sich bereits in vorigen Tarifabschlüssen bewährt hätten – beispielsweise Einmalzahlungen oder die Verschiebung einer Lohnerhöhung in kriselnden Betrieben.

Der IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel beurteilt die Aussichten anders: „Die Forderung ist von den Unternehmen finanzierbar“, meint er – schließlich sei auch ein (von Wirtschaftsforschungsinstituten für 2015 erwartetes) gesamtwirtschaftliches Plus von 1,2 Prozent „weiterhin ein stabiles Wachstum“.

Scharfe Debatten sind auch über die „Bildungsteilzeit“ zu erwarten. Darunter versteht die Gewerkschaft den Anspruch auf bezahlte Freistellung für persönliche Weiterbildung. Die Arbeitgeber lehnen das kategorisch ab: Betrieblich notwendiger Wissenserwerb finde selbstverständlich statt – und zwar ganz überwiegend während der Arbeitszeit und auf Kosten der Betriebe. Persönliche Weiterbildung wiederum sei Privatsache.

Altersteilzeit soll neu geregelt werden

Dulger nennt den Vorstoß der Gewerkschaft „überflüssig – und ungerecht“: Letztlich würde der Schichtarbeiter dem Ingenieur das Masterstudium bezahlen, würde die Allgemeinheit Einzelnen, die sich dann möglicherweise wegbewerben, den Aufstieg finanzieren.

Näher beieinander sind die Tarifparteien in Sachen Altersteilzeit. Darüber muss geredet werden, weil der Tarifvertrag aufgrund gesetzlicher Neuerungen ausläuft. „Vor allem für die unteren Entgeltgruppen und besonders Belastete wie Schichtarbeiter oder Beschäftigte mit kurzen Taktzeiten“ möchte IG-Metall-Vize Jörg Hofmann hier aktiv werden. Das bisher übliche Blockmodell will die Gewerkschaft durch eine stufenweise Reduzierung der Arbeitszeit ergänzen – das können sich auch die Arbeitgeber vorstellen.

Dulger möchte aber unterscheiden, „ob ein älterer Arbeitnehmer wirklich nicht mehr kann – oder ob er nicht mehr will“: Wenn jemand schlicht keine Lust mehr habe, „sollte er künftig keine Förderung erhalten“.


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