Interview zum Pilotabschluss mit Verhandlungsführer Stefan Wolf

Metall- und Elektro-Industrie: „Diese Kostenbelastung muss erst noch erwirtschaftet werden“

Chef von knapp 7.000 Mitarbeitern: Stefan Wolf führt den Weltkonzern ElringKlinger. Foto: Werk

Stuttgart. Der erste regionale Tarifabschluss gibt in der Metall- und ElektroIndustrie üblicherweise bundesweit die Richtung vor. Dieses Mal kam die Pilotvereinbarung zu Entgelt und Altersteilzeit aus Baden-Württemberg. AKTIV sprach darüber mit Stefan Wolf, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall in Stuttgart.

Sie haben eine Nacht durchverhandelt – und inzwischen schon ein paar Mal über das Ergebnis geschlafen: Sind Sie zufrieden mit dem Abschluss?
Der größte Erfolg ist, dass wir bei den Themen Altersteilzeit und Weiterbildung einen fairen Kompromiss gefunden haben, der die Betriebe nicht unnötig belastet.

Beim Entgelt haben Sie dafür recht kräftig in die Tasche gegriffen.
Nach Abzug der Inflation bleiben den Mitarbeitern real über 3 Prozent mehr. Das ist tatsächlich das dickste Reallohn-Plus seit Jahrzehnten.

Und wie verkraften das die Unternehmen?
Unterschiedlich. Es gibt viele Betriebe, bei denen es sehr gut läuft und die sich leichter damit tun. Und es gibt andere, die diese Belastung nur schwer stemmen können. Vor allem kleinere und mittlere Betriebe mit hohem Personalkostenanteil, die weit weg sind von den durchschnittlichen Renditen unserer Industrie. Wir haben daher lange überlegt, ob wir Möglichkeiten zur Differenzierung mit einbauen müssen. Aber wenn ein Betrieb tatsächlich überfordert ist, gibt es die Möglichkeit, dort eigene Lösungen zu finden. Klar ist allerdings auch, dass für alle gilt: Diese neue Kostenbelastung muss gemeinsam mit den Mitarbeitern erwirtschaftet werden.

Bei der Altersteilzeit werden Schichtarbeiter künftig noch stärker bevorzugt. Andere haben also kaum noch Chancen?
Es wird für alle anderen weiterhin noch diese Möglichkeit geben – wenn der Arbeitgeber zustimmt.

Warum haben Sie das eingeschränkt?
Durch die Rente mit 63 verlieren unsere Betriebe ohnehin viele erfahrene Kräfte. Wir können es uns einfach nicht leisten, noch zusätzlich über die Altersteilzeit auf leistungsfähige Mitarbeiter zu verzichten.

Es ist also Ihr Ziel, mehr Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess zu halten?
Genau. Das wird in den nächsten Jahren auch kommen. Wir werden uns nicht mehr über Rente mit 63, 65 oder 67 unterhalten, sondern über Rente mit 69. Wir werden alle in der Zukunft länger arbeiten müssen.


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