Konjunktur

Metall- und Elektro-Industrie: 2015 geht es nur mühsam voran

Berlin. Wohin auch immer man hört: 2015 wird wohl ein eher mäßiges Jahr für die deutsche Wirtschaft. Im vergangenen Sommer waren viele Ökonomen noch wesentlich optimistischer in ihren Prognosen. Ob EU-Kommission, Bundesregierung oder führende Wirtschaftsforschungsinstitute im Land: Alle formulierten ihre Konjunktur-Aussichten zuletzt viel vorsichtiger und korrigierten sie zum Teil deutlich nach unten.

Der Sachverständigenrat, das Gremium der sogenannten Wirtschaftsweisen, sieht das deutsche Wachstum für 2015 in seinem aktuellen Gutachten nur noch bei 1 Prozent. Und auch die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) wird 2015 wohl nicht so richtig in Schwung kommen.

Umso kritischer sieht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall die Forderungen in der IG Metall zur aktuellen Tarifrunde. Die Gewerkschaft verlangt ein Lohnplus von 5,5 Prozent.

Internationale Krisen bereiten Unternehmen große Sorgen

Die konjunkturelle Lage in der Metall- und Elektro-Industrie gibt das nach Meinung von Michael Stahl, Chefvolkswirt von Gesamtmetall, definitiv nicht her. „Wir erwarten ein mäßiges Wachstum, das schwächer als 2014 ausfallen wird“, prognostiziert er. Im vergangenen Jahr nahm die M+E-Produktion in Deutschland um knapp 2 Prozent zu.

Unter anderem die wirtschaftliche Schwäche Europas dämpft die Erwartungen. „Länder wie Frankreich und Italien sind enorm wichtig für unsere Unternehmen“, sagt Stahl, „aber gerade dort rechnen wir weiterhin mit einer schwachen Entwicklung.“ Zudem würden die internationalen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten die Stimmung in den Unternehmen nach unten drücken.

Das zeigt sich unter anderem in der Umfrage des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo zur Geschäftserwartung in der deutschen M+E-Industrie. Von April bis Oktober haben die Unternehmen Monat für Monat pessimistischer in das kommende Halbjahr geschaut. Im November und Dezember zeigten sie sich erstmals geringfügig optimistischer. Das kann eine Trendwende bedeuten – aber auch nur eine Momentaufnahme sein.

Die Erwartungen unterscheiden sich je nach Branche deutlich. Im Maschinenbau halten Optimisten und Pessimisten sich die Waage. In der Elektrotechnik sind die Firmen eher optimistisch, im Automobil- und im sonstigen Fahrzeugbau (Schiffe, Flugzeuge, Züge) eher pessimistisch.

So wird es 2015 wohl nur eine Entwicklung im Schneckentempo geben – wie bereits in den vergangenen drei Jahren. Dass die Produktion seit 2012 eher dahindümpelt und allenfalls langsam an Fahrt gewinnt, liegt neben Europa auch am schwachen Inlandsgeschäft.

In Deutschland wird wenig investiert, worunter die M+E-Industrie mit ihren Maschinen und Anlagen besonders leidet. „An dieser Situation hat sich bislang nichts Grundlegendes geändert“, sagt Ökonom Stahl. „Wir haben deshalb auch keine Gewissheit, dass es in diesem Jahr besser wird.“

Umso erstaunlicher ist es, dass die Unternehmen 2014 wie schon die Jahre zuvor trotz verhaltener Geschäftsentwicklung kräftig eingestellt haben. Die M+E-Industrie beschäftigt derzeit fast 3,8 Millionen Mitarbeiter – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Hoher Tarifabschluss gefährdet das Geschäft

Eine Erklärung für das Phänomen: „Die Betriebe sorgen schon für den demografischen Wandel vor“, vermutet Stahl. Das geht allerdings auf Kosten der Produktivität und erhöht die Lohnstückkosten. Sie stiegen seit 2012 um deutlich mehr als 10 Prozent. „Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit“, sagt der Experte. Auch deshalb warnt er vor einem hohen Tarifabschluss in den kommenden Wochen. „Er würde viele Firmen für ihre kluge und vorausschauende Strategie bestrafen.“


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