Deutschland braucht Chemie

Merck-Chef und VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley wirbt für mehr Risikobereitschaft

Freeclimbing: Extrem gewagt, aber trotzdem akzeptiert. Foto: Masterfile

Darmstadt. Chemie? Das ist doch alles Giftkram! Solche Vorurteile ärgern Karl-Ludwig Kley, Chef des Chemie- und Pharmakonzerns Merck in Darmstadt und Präsident des Verbands der Chemischen Industrie. „Die Vorbehalte sind riesig“, bedauert Kley. Mit seinem Buch „Deutschland braucht Chemie“ möchte er die chemische Industrie nun ins rechte Licht rücken und zeigen, was die Branche leistet.

„Ohne Chemie wäre unser Leben weit weniger bequem, sauber und sicher“, sagt Kley. Weite Kreise der Öffentlichkeit sähen das anders. Stünde zum Beispiel auf einer Verpackung „ohne chemische Zusätze“, gelte das vielen Menschen sogar als Gütezeichen.

„Ohne Chemie geht in der deutschen Industrie nichts“

Auf 144 Seiten zeigt der Top-Manager auf, dass für die Skepsis vieler Menschen gegenüber der chemischen Industrie nicht selten ein „romantisch verklärter Fortschrittspessimismus“ verantwortlich sei, gepaart mit einer gesteigerten Risikoscheu: „Beides zusammen“, stellt Kley fest, „ergibt eine realitätsferne Einstellung, die niemandem nutzt.“

In zehn Kapiteln legt er dar, dass die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ohne die industrielle Chemie nicht zu bewältigen sind. Für ihn sind das in erster Linie: das Leben in Megastädten, die Massenmobilität, alternative Energiegewinnung, Gesundheitsvorsorge und der Kampf gegen Hunger.

2.000 Chemie-Unternehmen gibt es bundesweit: „Wir sind im Zentrum der industriellen Wertschöpfung Deutschlands. Ohne uns geht eigentlich nichts“, sagte er kürzlich im Deutschlandfunk. Und erinnerte an die Annehmlichkeiten, die man gerne nutzt: „Jeder hat sein Apple oder Samsung Galaxy. Das geht nicht ohne Chemie. Jeder braucht Arzneimittel. Das geht nicht ohne Chemie. Ein Auto ist nicht ohne Chemie denkbar!“

Er kämpft nun für mehr Vertrauen , für mehr Mut und Risikobereitschaft: „Ich habe die Besorgnis, dass wir allmählich zu einem sich selbst einschläfernden Rentnerstaat werden“, schimpft er. Mut zeige sich nur noch in Aktionen wie „Bungee-Springen“ oder „Freeclimbing“.

Gehe es aber um industrielle Innovationen, die nicht unmittelbar und sofort für jeden erkennbar einen individuellen Vorteil brächten, „dann ziehen wir uns zurück und brüllen ,Risiko!‘“.

Weitere Infos: deutschland-braucht-chemie.de


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang