Weiterbildung

Mehr Wissen für alle


Ein Autozulieferer bildet seine ganze Mannschaft weiter - Geld kommt von Bundesagentur für Arbeit

Hagen. Überall hängen Zettel. Mit einem Biber drauf. Der hat einen gelben Bauhelm auf und grinst fröhlich. Biber gelten als fleißig – deshalb hat der Nager auf dem bunten Comic ein Werkzeug in der Hand. So, als wollte er auf der Baustelle gleich loslegen.

Eine solche Zeichnung pappt auch am Arbeitsplatz von Michael Zimmermann und Konrad Ignatzi, die frisch montierte Rückenlehnen für den VW Polo kontrollieren. Sie zeigt den Biber neben einem Rollenband. Er fordert: So ein Ding muss her!

Noch karren die Werker die schweren Kisten mit den Pressteilen per Hubwagen zu einer Sammelstelle, wo ein Gabelstapler sie abholt. Künftig soll die Fuhre über ein Rollenband dorthin gleiten. Die Idee dazu hatten die beiden Mitarbeiter.

Sie kam nicht von ungefähr: Zimmermann und Ignatzi gehören zu den mehr als 100 Beschäftigten, die der Autozulieferer TWB in Hagen bisher  weitergebildet hat. Und da spielte auch der Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) eine Rolle. Das Ergebnis ist der Biber mit seinen KVP-Baustellen. 

Wie steht eigentlich meine Firma da?

Die einwöchigen Crash-Kurse, die im April 2007 gestartet wurden, bieten aber noch mehr: Da geht es um Qualität, Arbeitssicherheit, Teamarbeit und  Kommunikation. Außerdem lernen die Mitarbeiter, einfache Störungen an den Maschinen zu beheben. Und erfahren viel über ihren Arbeitgeber: Was machen die einzelnen Abteilungen? Wie steht die Firma im  Wettbewerb da?

Das Programm richtet sich vor allem an An- und Ungelernte, aber auch an Quereinsteiger: So ist Zimmermann Gas- und Wasserinstallateur, Ignatzi Landmaschinenmechaniker.

TWB will sie in die Lage versetzen, über den eigenen Tellerrand zu blicken, sie stärker motivieren. Personalleiter Hannes Kranenpoot-Schmale: „Wir wollen aus Betroffenen Beteiligte machen. Sagen, auch Dein Job ist wichtig.“

Die Fortbildung bekommt TWB praktisch zum Null-Tarif. Denn die Lehrgangskosten und Löhne übernimmt die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen eines Sonderprogramms – allein 2007 summierten sich die bei dem Hagener Unternehmen auf  106.000 Euro.

Insgesamt stellten die Ar-beitsagenturen bundesweit 200 Millionen Euro zur Verfügung. Doch nur jeder fünfte Euro wurde abgerufen, weil die Betriebe das Programm nur mäßig in Anspruch nahmen. Alles in allem erhielten lediglich 27.575 Beschäftigte eine geförderte Fortbildung.

Programm geht in zweite Runde

Dabei ist Weiterbildung so wichtig: Für den Mitarbeiter, der jetzt weniger von Arbeitslosigkeit bedroht ist. Für das Unternehmen, das produktiver und somit konkurrenzfähiger geworden ist. Und schließlich für die gesamte Gesellschaft. „Es ist besser, die Fortbildung von Geringqualifizierten zu fördern als Arbeitslosengeld zu zahlen“, sagt Ralf Potthast, Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit in Hagen. In diesem Jahr stehen deutschlandweit erneut 200 Millionen Euro für die Weiterbildung bereit.

Gut für TWB: Die Firma wird 2008 weitere 200 Mitarbeiter fortbilden, auch Schlosser und Energieanlagenelektroniker sind darunter. Betrieb und Arbeitsagentur zeigen sich da großzügig. Personaler Kranenpoot-Schmale: „Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Mehr Wissen für alle hat noch nie geschadet.“

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