Leitartikel

Mehr Wettbewerb auf der Schiene!

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe

Heute mal Staatsbetrieb: Die Familienkutsche soll zu Hause bleiben, die knappen Plätze im ICE sind seit Wochen gebucht. Da guckt einer beim Frühstück noch mal ins iPad – das gibt’s doch nicht, der Zug fährt gleich, eine halbe Stunde früher, als auf dem Ticket steht!

Die Bahn, das wissen Millionen Deutsche aus solchen und ähnlichen Erlebnissen, ist ein seltsames Unternehmen. „Wir fahren derzeit wegen einer Baustelle einen Umweg und sind deshalb früher gestartet“, erklärt der Schaffner den großen und kleinen Fahrgästen, die es mit hängender Zunge noch ins Abteil geschafft haben. Die Bahn hat doch unsere Handynummer, warum kam keine SMS? „Tja, der Verspätungsalarm funktioniert nur bei Verspätung …“

Jeder Autokäufer würde nach so was die Marke wechseln. Vor 19 Jahren wurde die Bundesbahn „privatisiert“: mit dem erklärten Ziel, auf der Schiene Wettbewerb zu schaffen. Seitdem hat die Deutsche Bahn AG die private Rechtsform einer Aktiengesellschaft – aber der Börsengang wurde abgesagt, sie gehört immer noch ganz dem Bund. Und sie hat im Fernverkehr immer noch 99 Prozent Marktanteil, wie jetzt die Monopolkommission in einem Gutachten kritisiert.

Das Expertengremium, das die Regierung in Wettbewerbsfragen berät, gibt eine klare Empfehlung: Man sollte endlich das Schienennetz und den Bahnbetrieb voneinander trennen. Die Schienennetz- Firma könnte dann eigenständig Zeiten an verschiedene Bahnbetreiber verkaufen. Unter dem heilsamen Druck der Konkurrenz würden die vielen seltsamen Begebenheiten garantiert seltener. Und das viele Geld, das die Bahnkunden zahlen, würde besser eingesetzt.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang