Leitartikel

Mehr Verkehr, weniger Treibhausgas

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Wirtschaft ist Bewegung, und das mehr denn je. Wir fahren im Schnitt weiter als früher zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Besuch, in den Urlaub – und unsere Betriebe sind Teil immer komplexerer globaler Lieferketten. Manchmal aber meldet sich unser Öko-Gewissen: Dürfen wir das? Und wo führt das noch hin?

Die neue „Verkehrsprognose 2030“ der Bundesregierung gibt darauf eine bemerkenswerte Antwort. Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts wird der Personenverkehr in Deutschland noch einmal um 13 Prozent wachsen, der Güterverkehr legt sogar um 38 Prozent zu – und trotzdem wird der Verkehr im Jahr 2030 insgesamt 22 Prozent weniger klimaschädliches Treibhausgas verursachen als noch im Jahr 2010.

Die aufwendige, wissenschaftlich fundierte Analyse kommt zu dem Fazit: Mehr Mobilität bedeutet nicht zwangsläufig weniger Nachhaltigkeit. Die Ingenieure werden bei Pkws, Lastwagen, Eisenbahnen, Schiffen und Flugzeugen einmal mehr zeigen, was sie draufhaben. Es ist eben ein Fehler, sich Wirtschaftswachstum einfach als „Mehr vom Gleichen“ vorzustellen und die Kraft des Neuen zu unterschätzen.

Wer hätte zum Beispiel im Jahr 1980 gedacht, dass bis 2013 – bei doppelt so vielen Pkws – die Zahl der Toten im Straßenverkehr um 80 Prozent zurückgehen würde? Damals war beim Verkehr die Sicherheit das Top-Thema, heute sind es die Folgen für die Umwelt – also neben dem Klimaschutz auch der Lärm und der Flächenverbrauch. Wer zu hoffen wagt, dass Politik und Wirtschaft auch darauf Antworten finden werden, der hat ein starkes Argument auf seiner Seite: die Erfahrung der Vergangenheit.


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