Chemie-Konjunktur

Mehr Umsatz, mehr Jobs


Die Chemie schafft fast 1.000 neue Stellen in Baden-Württemberg

Das hört man gern: Die Chemie Baden-Württembergs bietet mehr Jobs – erstmals seit einigen Jahren! Fast 1.000 Stellen hat die Branche im vergangenen Jahr aufgebaut. Rund 56.000 Beschäftigte verdienen hier laut amtlicher Statistik Lohn und Brot, 1,7 Prozent mehr als 2006.

Und mit ein bisschen Glück dürften in diesem Jahr weitere neue Kollegen hinzukommen – wenn die Konjunktur mitspielt. Mehr als ein Fünftel der Chemiefirmen im Ländle hat schon jetzt vor, Leute einzustellen. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der Chemie-Verbände Baden-Württemberg bei 113 Firmen.

Die Stimmung in der Branche: Nach dem guten Jahr 2007 ist man in den Chefetagen für 2008 zurzeit aber eher „gedämpft optimistisch“. Gerd Backes, Vorsitzender des Verbands der Chemischen Industrie, Landesverband Baden-Württemberg: „So kräftig wie 2007 wird es beim Umsatz in diesem Jahr nicht mehr aufwärts gehen.“

So sehen das auch die meisten Chemiefirmen: Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen (70 Prozent) rechnen mit einer gleichbleibenden Konjunktur. Knapp die Hälfte der Betriebe erwartet einen höheren und zwei Fünftel einen konstanten Umsatz. Allerdings: 10 Prozent der befragten Firmen befürchten schrumpfende Erlöse.

Auslandsgeschäft ließ Umsatz steigen

Backes: „Die Hoffnungen der Betriebe liegen vor allem auf dem Auslandsgeschäft.“ 2007 stiegen die Umsätze hier um 14 Prozent; im Inland gab es nur 3 Prozent Plus. Im Saldo bescherte das der Chemie im Südwesten kräftige 9 Prozent Zuwachs.

Und, wie steht es um wichtige Teilbranchen?

In der Pharma-Industrie ist die Stimmung verhalten. Gerhard Schäferkord, Hauptgeschäftsführer der Chemie-Verbände: „Jeder vierte Hersteller sieht die Gesundheitspolitik als erheblichen Risikofaktor für seine Entwicklung.“

Wie etwa die Spezialisten für pflanzliche und homöopathische Arzneien. Sie machen oft nicht viel Umsatz im Export. Im Inland aber ließ die Reform die Umsätze in den vergangenen beiden Jahren schrumpfen.

Anders die Lackindustrie: „Sie profitiert von einem sehr guten Binnengeschäft“, so Schäferkord: „Die Sparte ist für 2008 recht optimistisch.“ Denn bei ihren wichtigsten Kunden Maschinenbau, Elektro- und Metall-Industrie brummen die Betriebe. Und auch Städte und Gemeinden geben wieder mehr Geld zum Renovieren von Brücken und Bauten (Rostschutz) aus.

Positiv: Bei den Investitionen stimmt das Klima. Ein Drittel der befragten Firmen will mehr in den Standort BaWü stecken als 2007. Rund 45 Prozent wollen genauso viel investieren. Das ist gut für die Jobs.

Info: Amtliche Statistik macht Chemie klein

Rund 17,5 Milliarden Euro setzte die Chemie in Baden-Württemberg 2007 um. Und sie gab 56.200 Beschäftigten Arbeit. So sagen es die Zahlen der amtlichen Statistik. Doch die zählt Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern neuerdings nicht mehr mit. Das macht die Branche kleiner als sie ist. Nach Angaben der Chemie-Verbände in Baden-Baden beschäftigt die Chemie im Südwesten rund 103.000 Mitarbeiter in 460 Unternehmen. Sie setzten im vergangenen Jahr schätzungsweise 32 Milliarden Euro um.

Übrigens: 57 Prozent ihres Geschäfts machen die Firmen heute im Ausland.

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