Erntetechnik

Mehr, schneller, besser!


Wie die Hersteller von Landmaschinen aufrüsten

Getreide-Ernte per Sense: Das waren noch Zeiten! Wenn heutzutage der leistungsfähigste Mähdrescher der Welt übers Feld rauscht, hat er nach einer Stunde bei guten Bedingungen 60 bis 70 Tonnen Weizen im Speicher. „Mit dem Mehl daraus kann man eine Stadt wie Dresden oder Bielefeld einen Tag lang mit Brot und Backwaren ernähren“, weiß Horst Biere.

Er ist Sprecher des Mähdrescher-Herstellers Claas. Bei der Firma mit Hauptsitz im westfälischen Harsewinkel laufen die Geschäfte ausgezeichnet. Denn die Welt muss mehr, besser und schneller ernten.

Mähdrescher fahren GPS-gesteuert

Während ein Bauer im Jahr 1950 zehn Bundesbürger mit Nahrungsmitteln versorgte, sind es heute 150, so das Landwirtschaftsministerium. Zudem braucht die Welt Agrarprodukte zunehmend als Energieträger. Bis 2030 steigt die globale Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen um die Hälfte, prognostiziert der Industrieverband Agrar.

Gute Zeiten also für die Landtechnik-Hersteller – auch in Deutschland. Sie haben in der ersten Hälfte dieses Jahres 29 Prozent mehr Umsatz gemacht als ein Jahr zuvor, berichtet der Maschinenbauverband VDMA. Und in der Deutschland-Zentrale des US-Herstellers John Deere in Mannheim ist zu hören: „Angesichts der steigenden Erzeugerpreise und der großen Nachfrage bei nachwachsenden Rohstoffen rechnen wir mit weiterem Wachstum.“ John Deere hat 2007 hierzulande einen hohen zweistelligen Euro-Betrag investiert.

Die Entwicklungsabteilungen arbeiten auf Hochtouren. So brachte Claas letztes Jahr 55 Innovationen heraus. Das Schlüsselwort heißt Automatisierung. „Die modernen Mähdrescher sind alle selbstlenkend“, erklärt Firmensprecher Biere. „Sie sind GPS-gesteuert und halten die Spur bis auf drei Zentimeter genau.“ So kann der Landwirt viel präziser und wirtschaftlicher ernten.

In der Fahrer-Kabine sitzt zwar noch jemand. Der kann sich aber darum kümmern, den Computer zu bedienen. Dieser merkt sich, auf welchem Quadratmeter des Feldes wie viel wächst – und steuert im Folgejahr entsprechend die Düngung. Fachleute sprechen von „Precision Farming“.

Auch bei der im September anstehenden Kartoffelernte geht nichts ohne Hightech. Die leistungsfähigsten Maschinen vom in diesem Bereich führenden Hersteller Grimme aus dem niedersächsischen Damme haben 490 PS, ernten vier Reihen Kartoffeln auf einmal und schaffen pro Stunde einen Hektar. „Vor zehn Jahren schafften die meisten Maschinen nur 0,2 Hektar“, vergleicht Firmensprecher Jürgen Feld.

Auch hier bei Grimme brummt das Geschäft. Feld weiß zu berichten: „Wir haben die Produktion innerhalb von fünf Jahren verdreifacht.“

Beim Traktoren-Spezialisten Fendt flossen 2007 in die bayerischen Standorte Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim 37 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigung, um die Nachfrage bewältigen zu können. Mitte des Jahres arbeiteten dort 3.170 Leute, das waren 380 mehr als noch Ende 2006. Fendt punktet vor allem mit verbrauchsarmen Traktoren. Hermann Merschroth, Sprecher der Geschäftsführung: „Bei den hohen Spritpreisen wird sich der Trend zu unseren extrem kraftstoffsparenden ,Vario-Traktoren’ verstärken.“

Die Zukunft: Roboter statt Bauern

Wissenschaftler und Studenten basteln sogar an Feld-Robotern. Jüngst trafen sich Teams aus vielen Ländern zur „Field Robots-WM“ in Osnabrück.

Sie schickten Prototypen ins Maisfeld und ließen sie unter anderem Pflanzen zählen. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, beim Spaziergang am Feldrand in einigen Jahren einem Roboter zu begegnen!

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