Beschäftigung

Mehr Risiken für hessische Chemie


Steigende Kosten setzen der Branche zu – trotzdem fanden 600 Menschen zusätzlich Arbeit

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt wieder mehr Jobs in der hessischen Chemie-Industrie. Laut Verbandsumfrage haben im letzten Jahr 600 Frauen und Männer zusätzlich eine Arbeit gefunden. Damit stieg die Zahl der Chemie-Beschäftigten auf rund 92.000, der Zuwachs beträgt 1 Prozent.

Zurückhaltend bei der Prognose für 2012

„Eine erfreuliche Entwicklung“, sagt Karl-Hans Caprano, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes HessenChemie.

Obwohl der Konjunkturmotor 2011 zunehmend ins Stottern kam, konnten Chemie und Pharma in Hessen ihren Umsatz um  4,9 Prozent ausweiten. Die Produktion stieg nur um 2 Prozent an, erwartet hatte man im Herbst noch 4 Prozent – deutlich mehr.

Bei der Prognose für dieses Jahr ist der Verband zurückhaltend: „Maximal erwarten wir ein Nullwachstum“, sagt Caprano. Und begründet die Schätzung mit dem Produktionsrückgang im 3. und 4. Quartal 2011: Im Vergleich zum Vorjahresniveau lagen die klassischen Chemiesparten landesweit um fast 5 Prozent niedriger.

Euro-Schuldenkrise sorgt Unternehmen

Was die Branche jetzt umtreibt, ist zum einen der schrumpfende Inlandsmarkt hessischer Pharma-Unternehmen: „Sie bekommen die Auswirkungen der Gesundheitsreform in vollem Umfang zu spüren“, so Caprano. Aufgrund der staatlich verordneten Zwangsrabatte schrumpften die Inlandsumsätze um 4,6 Prozent – trotz höherer Abgabemengen. Ausgleich schafften der starke Export und höhere Verkaufspreise.

Zum anderen würden immer höhere Preise für Rohstoffe und Energie die Betriebe belasten. Dazu kämen die nicht zu kalkulierenden Auswirkungen der Schuldenkrise im Euro-Raum. So prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Wirtschaftsentwicklung 2012 in Europa bestenfalls eine Stagnation, für die Euro-Zone sogar eine leichte Rezession, berichtet der Vorsitzende.

Caprano: „Bei einem Export-anteil der hessischen Chemie von fast 70 Prozent, davon etwa zwei Drittel in europäische Länder, kann dies nicht ohne Auswirkungen auf unsere Branche bleiben.“ So würden viele Unternehmer größere Investitionen verschieben, „um für den Fall eines neuerlichen Rückschlags ausreichend Liquidität vorzuhalten“. 2011 waren in Ersatz-Investitionen und Erweiterungen rund 1 Milliarde Euro geflossen. Heitere Aussichten haben hingegen Azubis: Im Herbst gab es 1.542 Plätze – Rekord! Fast alle Absolventen (90 Prozent) werden anschließend übernommen. Auch 2012 wollen die Unternehmen das hohe Niveau halten.

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