Batterietechnik

Mehr Power ─ und billiger

Wie Firmen und Forscher das Elektro-Auto in Fahrt bringen

Köln. Von Mitsubishi, Citroen, Peugeot und Opel gibt es die Flitzer schon. Noch aber halten sich die Deutschen beim Kauf von Elektro-Autos zurück. Im vergangenen Jahr zählte das Kraftfahrt-Bundesamt gerade mal 2 154 neue Stromer, im ersten Quartal dieses Jahres waren es 694. Bis zu den von der Bundesregierung für 2020 angestrebten eine Million E-Autos ist es noch ein weiter Weg.

Eine Milliarde Euro für bessere Akkus

Drei Dinge störten den Verbraucher. Geringe Reichweite, noch viel zu wenig Ladesäulen und dann vor allem der Preis, weiß Gerd Petrusch, Vorsitzender des Dortmunder Elektromobilvereins ISOR und seit 20 Jahren Stromer-Fan: „Man zahlt mindestens 10.000 Euro mehr fürs Auto und bekommt dafür weniger Leistung und Reichweite.“ Das Projekt E-Auto steht und fällt mit der Batterietechnik. Sie bestimmt Preis und Aktionsradius.

Deshalb stecken die Bundesregierung und die an der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ beteiligten Institute und Unternehmen bis 2014 eine knappe Milliarde Euro allein in die Verbesserung des Power-Packs. Zwar speichere der moderne LithiumIonen-Akku etwa vier Mal so viel Energie wie die gute alte Blei-Batterie, sagt Professor Werner Tillmetz, Experte für Speichertechnik am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Ulm. Dieser Fortschritt ist der Anwendung in Handys oder Laptops zu verdanken.

„Aber für eine Auto-Batterie gelten ganz andere Anforderungen als für einen Handy-Akku“, so der Professor. „Sie muss bei minus 20 Grad Celsius noch Strom ausspucken. Sie soll Crash-resistent sein und zehn Jahre halten.“

Ganz oben im Pflichtenheft der Produzenten steht zurzeit aber der Preis des Kraftpakets. Noch liegt er bei stolzen 650 Euro je Kilowattstunde, wie Professor Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut in Karlsruhe berichtet. Seine Prognose: „Bis 2020 dürfte er auf 250 bis 300 Euro sinken.“ Ein Power-Pack fürs Auto wird dann nur noch 5.000 Euro kosten.

„Die weitere technische Entwicklung ist ein Marathonlauf für alle“, sagt Henrik Hahn vom Akku-Spezialisten Evonik Litarion, der zur Produktionskette von Evonik und Daimler in Kamenz (Sachsen) gehört. „Das Thema ist für alle neu.“

Zu forschen gibt es viel. Einige Tausend Wissenschaftler tüfteln hierzulande an besseren Akkus. „Radikale und bezahlbare Sprünge über die Reichweite von 150 Kilometern hinaus“ erwartet Tillmetz bei der Lithium-Ionen-Batterie jedoch nicht mehr. Der Ankündigung eines 1.000-Kilometer-Akkus durch Toyota steht er deshalb skeptisch gegenüber.

Energie-Dichte vervierfachen

Hoffnung auf weitere Reisen versprächen die Lithium-Schwefel- und die Lithium-Luft-Batterie, bestätigt Experte Wietschel. „Damit lässt sich die Energie-Dichte verdoppeln oder sogar vervierfachen.“ Der Chemie-Riese BASF und der Hersteller Varta Microbattery in Ellwangen forschen daran. Doch die neuen Typen kommen frühestens ab 2025.

Dennoch sind Hersteller wie Bosch sicher: Dem Elektro-Auto gehört die Zukunft. Es ist das ideale Stadtfahrzeug, lautet Tillmetz’ Prognose. Auch schwärmt er von dem Antrieb. „Wer ihn einmal probiert hat, will ihn immer fahren. Er geht ungemein ab. Und schont die Umwelt.“


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