Tarifpolitik

Mehr Plätze für Azubis


Arbeitgeber und Beschäftigte teilen sich die Kosten

München. Die Metallarbeitgeberverbände und die IG Metall ziehen in der Konjunkturkrise an einem Strang. Schon im Frühjahr hatten sich beide Tarifparteien in Bayern auf eine „Beschäftigungsbrücke“ geeinigt, die jungen Facharbeitern neue Chancen eröffnet. Jetzt vereinbarten sie einen Tarifvertrag für zusätzliche Ausbildungsplätze.

Das Ziel: Die Zahl neuer Lehrstellen soll in Bayerns M+E-Industrie 2010 auf dem hohen Niveau vergangener Jahre bleiben (siehe Grafik). Damit das gelingt, teilen sich Unternehmen und Beschäftigte die Kosten.

Voraussetzung: Die Firmen schaffen mehr neue Ausbildungsplätze als im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2009. Und Unternehmensleitung und Betriebsrat einigen sich auf eine freiwillige Vereinbarung.

Arbeitgeber und Beschäftigte kommen dann gemeinsam für die Kosten zusätzlicher neuer Lehrstellen auf: Das sind je Auszubildenden 40.000 Euro Tarifvergütung während der Lehrzeit von dreieinhalb Jahren. Der Beitrag eines Mitarbeiters: maximal 0,1 Prozent eines Jahreseinkommens. Bezogen auf den Durchschnittsverdienst eines Facharbeiters in der bayerischen M+E- Industrie von 40.000 Euro im Jahr sind das 40 Euro.

40 junge Fachkräfte in der Beschäftigungsbrücke

„Das ist finanziell verkraftbar“, sagt Helmut Keese, der für den Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) mit der IG Metall verhandelt hat. „Unsere Erfahrung aus dem Jahr 2007 ist: Daran scheitert es nicht.“

Auch damals hatten beide Tarifparteien vereinbart, die Ausbildungsvergütung für zusätzliche Lehrstellen aufzuteilen. Rund 1.100 Plätze mehr waren so in der M+E-Industrie des Freistaats entstanden. In der aktuellen Krise sei eine solche Aktion besonders sinnvoll und wichtig, meint Keese. „Wir lamentieren nicht, wir tun etwas“, ergänzt Werner Neugebauer, der Bezirksleiter der IG Metall Bayern.

Schon im Frühjahr hatten VBM und Gewerkschaft eine Beschäftigungsbrücke für junge Facharbeiter in Bayern vereinbart. Dort finden Auszubildende einen Platz, die nach erfolgreichem Abschluss von ihren Betrieben nicht übernommen werden können – weil die wirtschaftliche Lage es nicht zulässt. Sie werden aber mindestens drei Tage in der Woche an die Unternehmen verliehen.

40 junge Fachkräfte von sieben Firmen sind bisher in der Beschäftigungsbrücke untergekommen. „Wir haben Signale aus den Unternehmen, dass die Nachfrage im Frühjahr deutlich zunehmen wird“, berichtet Keese. Dann ist wieder ein Ausbildungsjahrgang fertig.

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