Interview

Mehr Leistungen von der Pflegekasse

Bremen. Die Bundesregierung hat mehr Leistungen bei der Pflegeversicherung beschlossen. AKTIV sprach darüber mit Professor Heinz Rothgang, Gesundheitsökonom an der Universität Bremen.

Ab Januar 2015 soll sich bei der Pflegeversicherung einiges ändern. Was steckt dahinter?
Zunächst werden die Leistungen angepasst und teilweise erhöht. Zwei Beispiele: Das Pflegegeld bei häuslicher Pflege in der Pflegestufe I steigt von 235 Euro auf 244 Euro. Und Zuschüsse für Maßnahmen, die im Wohnumfeld nötig sind, werden von 2.557 Euro auf bis zu 4.000 Euro erhöht. Es soll mehr Personal geben. Kurz- und Teilzeitpflege werden ausgebaut.

Und wie soll das alles finanziert werden?
Der Beitragssatz steigt im nächsten Jahr um 0,3 Prozentpunkte. Das finde ich richtig. Außerdem will die Bundesregierung einen Vorsorgefonds einrichten und den Beitragssatz dazu um weitere 0,1 Prozentpunkte anheben. Das sehe ich sehr kritisch.

In diesen Fonds sollen jährlich 1,2 Milliarden Euro fließen …
… um Geld für die Versorgung der geburtenstarken Jahrgänge anzusparen. Das ist konzeptionell falsch. Erstens ist die Gefahr hoch, dass dieses Geld zweckentfremdet wird. Zweitens ist der Fonds nur für einen begrenzten Zeitraum angelegt. Wenn wir die höchste Zahl der Bedürftigen erreicht haben, ist der Fonds bereits leer.

Warum muss die Finanzierung überhaupt umgebaut werden?
Der demografische Wandel zwingt uns dazu. Deutschland wird in 40 Jahren fast doppelt so viele Pflegebedürftige haben wie heute. Und die werden immer weniger in der Familie gepflegt, sondern von Pflegekräften – ambulant oder in Heimen. Entsprechend mehr als heute müssen wir für die Pflege auch zahlen.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang