Agrarforschung

Mehr Getreide für die Welt


Bayer CropScience eröffnet in Sachsen-Anhalt Europäisches Weizenzucht-Zentrum

Gatersleben. Eine Ministerin als landwirtschaftliche Assistentin: Ganz sanft zieht Birgitta Wolff eine Weizenpflanze mit ihren Pollen über die Blüte einer anderen. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerin übt sich in der Fremdbestäubung. Und macht sich gleich an die nächste Pflanze.

Fremdbestäubung für die gezielte Züchtung – das ist eine der vielen Aufgaben des neuen Europäischen Weizenzucht-Zentrums von Bayer CropScience in Gatersleben, zu dessen feierlicher Eröffnung die Ministerin Anfang Juni angereist war. „Das ist ein deutliches Bekenntnis von Bayer zum Standort Sachsen-Anhalt“, lobt sie das Zentrum.

Dessen Zweck: „Wir wollen auf konventionellem Weg neue Weizen-Sorten züchten, die hohe Erträge bringen“, erklärt Agrar-Ingenieurin Sylvia Müller. „Zum Beispiel für heiße, trockene Regionen mit mageren Böden.“
Die junge Frau betreut mit ihrem Team die Aufzucht von rund 150 verschiedenen Weizen-Sorten im Treibhaus, gewinnt Saatgut – und kreuzt Sorten. Genau so, wie es Ministerin Wolff gerade eben gemacht hat.

720 Millionen Euro für die Forschung

„Wichtige Forschungsziele sind die Ertragssteigerung und die effiziente Verwertung von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor“, berichtet Elmar Weissmann, Leiter des Zentrums. „Aber auch die Anpassung an Klimafaktoren wie Trockenheit oder Hitze stellen uns vor Herausforderungen.“ Die Pflanzen sollen besser mit diesem „Stress“ umgehen können. Dazu werden je Sorte und Pflanze jeweils etwa 25 Eigen-schaften geprüft. Beim weiteren Einkreuzen werden manche von ihnen ganz gezielt gefördert.

Weizen gehört wie Mais und Reis zu den wichtigen Kulturpflanzen der Erde. Ein Viertel der weltweiten Ackerfläche bringt heute 650 Millionen Tonnen Weizen pro Jahr hervor. Aber: Die Erträge wachsen langsamer als die Menschheit, die Preise steigen.

Und die Anbauflächen lassen sich kaum erweitern, schließlich setzen viele Landwirte und Farmer verstärkt auf Ölpflanzen wie Raps oder Palmen. Um die Ernährung dennoch weltweit zu sichern, sind bessere Sorten nötig.

„Wir bei Bayer wollen dazu unseren Beitrag leisten“, sagt Professor Wolfgang Plischke, Mitglied des Bayer-Vorstands. Zurzeit investiert das Unternehmen jährlich weltweit rund 720 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut. Bis 2015 soll die Summe auf etwa 850 Millionen Euro steigen.

Erste neue Sorten nicht vor 2015

Die Weizen-Forschung in Europa wird vom neuen Zentrum aus gesteuert – wie auch die Zuchtstationen, die in Frankreich, der Ukraine und weiteren Ländern entstehen werden. Das schafft Arbeitsplätze in Gatersleben. Derzeit sind es sechs Mitarbeiter, neun sollen es bis Ende des Jahres sein. 2015 werden rund 40 Beschäftigte hier forschen.

Erste Neuheiten aus der Bayer-Weizenzucht werden wohl nicht vor 2015 auf den Markt kommen. Mit konventioneller Zucht dauert es acht bis zwölf Jahre, nutzbare Ergebnisse zu erzielen.

Die Zeitspanne lässt sich aber mithilfe anderer Techniken verkürzen. „Bei der sogenannten molekularen Züchtung werden Gensequenzen, die für bestimmte Eigenschaften stehen, gezielt von einer Sorte Weizen auf eine andere übertragen“, sagt Plischke und beruhigt: Die bei vielen Verbrauchern verpönte Einschleusung artfremder Gene sei in Gatersleben nicht geplant.

Diese Forschung werde in Ländern durchgeführt, die für diese Technologie offen sind. Etwa in den USA.

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