Mehr Chancen für Mütter

Mehr Ganztagsbetreuung in Grundschulen: Das hilft Betrieben und Mitarbeiterinnen

München/Pegnitz. Der Freistaat lässt sich den Ausbau der Ganztagsbetreuung in den Grundschulen 160 Millionen Euro kosten, pro Jahr. Etwa genauso viel steuern die Städte, Gemeinden, Bezirke und Landkreise bei. Diese Investition hilft, ein großes Reservoir an Fachkräften für die Betriebe zu mobilisieren – Mütter, die Beruf und Familie unter einen Hut kriegen müssen.

Zwar hat sich die Betreuungssituation für die ganz Kleinen, unter sechs Jahren, in den letzten Jahren deutlich verbessert. Doch wenn der Nachwuchs in die Grundschule kommt, wird es für viele Eltern eng. „Der Übergang vom Kindergarten in die Schule wird für erwerbstätige Eltern zunehmend zum Problem“, befand das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kürzlich in einer Studie. Oft stehen die Sprösslinge schon um zwölf vor der Haustür.

Das soll sich in Bayern bald ändern. Die Staatsregierung und die Spitzenverbände von Gemeinden und Städten haben jetzt eine Vereinbarung geschlossen: Bis zum Jahr 2018 soll es demnach möglich sein, dass die Grundschüler in ganz Bayern bis 18 Uhr in der Schule bleiben können. Qualifiziertes Fachpersonal macht mit ihnen Hausaufgaben, spielt, malt oder treibt Sport. Für die Eltern ist das freiwillige Angebot kostenlos. Ausnahmen: Für das Mittagessen, die Betreuung zwischen 16 und 18 Uhr, am Freitag sowie in den Ferien muss gezahlt werden. Schon im nächsten Schuljahr startet ein Pilotversuch mit 300 Gruppen.

Die bayerischen Arbeitgeber begrüßen deshalb die Vereinbarung als „richtiges Signal. Angesichts der Fachkräftelücke brauchen wir mehr Frauen in der Arbeitswelt.“

Auch der Pumpenhersteller KSB, der ein Werk im fränkischen Pegnitz hat, freut sich: „Wir gehen davon aus, dass sich der Beschluss der bayerischen Staatsregierung dahingehend positiv auswirkt, dass mehr Frauen früher wieder in den Beruf einsteigen werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Bundesweit arbeitet nur eine von sechs Müttern mit Kindern zwischen 6 und 15 in Vollzeit, oft mangels Betreuungsmöglichkeit. Die IW-Forscher glauben, dass 240.000 bis eine Million zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen könnten – gäbe es flächendeckend Ganztagsbetreuung.

Nach aktuellen Zahlen der Kultusministerkonferenz waren nur 11 Prozent der Grundschüler und 14 Prozent aller Schüler im Freistaat in Ganztagsschulen. Bundesweit waren es 31 Prozent beziehungsweise 36 Prozent.

Der Ausbau kostet viel Geld. Doch die Investition lohnt sich, so die IW-Studie: Wenn mehr Frauen arbeiten, steigen die Steuereinnahmen, und die Sozialausgaben sinken. Außerdem würden langfristig mehr Kinder geboren. Das freut nicht nur die Arbeitgeber. Es sichert auch die Renten.

 

 


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