Rohstoffe

Mehr Forschung nötig


Fast so hell wie der Tag: Für Quecksilber-Dampflampen, die Licht ins Fußballstadion bringen, wird das Metall Scandium gebraucht. Foto: Jaspersen

Deutschland braucht auf Dauer Ersatz für seltene Metalle

München. Ihr Anteil ist nur winzig. Doch ohne bestimmte Rohstoffe würden manche Produkte gar nicht funktionieren. Das chemische Element Yttrium, eine der sogenannten Seltenerden, wird zum Beispiel für Magneten gebraucht, Neodym für die Lasertechnik und Scanidum für das Flutlicht in Stadien. Für Akkus ist Lithium unentbehrlich, für Katalysatoren in Autos Platin.

Alle diese fünf Metalle gehören zu 14 Rohstoffen, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) als besonders kritisch einschätzt (siehe Grafik). In einem Gutachten nennen die Experten den entscheidenden Grund für die Risiken in der Versorgung: Das rohstoffarme Deutschland ist zu 100 Prozent auf den Import von Metallen angewiesen. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die die Studie des IW in Auftrag gegeben hat, warnt deshalb vor dem Risiko von Engpässen.

China macht Druck

8.000 bayerische Industriebetriebe wurden für das Gutachten nach möglichen Problemen in der Versorgung mit Rohstoffen befragt. Ergebnis: Ein Drittel macht sich Sorgen um die Qualität der Ausgangsmaterialien. Fast die Hälfte der Unternehmen befürchtet, dass manche Rohstoffe irgendwann überhaupt nicht mehr verfügbar sein könnten. Und mehr als zwei Drittel sehen als besonderes Risiko, dass die Preise steigen und stark schwanken.

Grund für die Bedenken ist nicht nur die kräftig wachsende Rohstoff-Nachfrage in der Welt – ein Trend, den die aktuelle Krise wohl nur vorübergehend abgeschwächt hat. Hinzu kommt: Die Un­ternehmen, die diese Grund­materialien fördern und ver­kaufen, werden durch Zukauf kleiner Konkurrenten immer größer – und können damit immer besser ihre Preisvorstellungen durchsetzen.

Sogar ganze Länder nutzen große Rohstoff-Vorkommen als Druckmittel. Beispiel: China. Seltene Erden wie Yttrium, Neodym und Scanidum gibt es fast nur dort. „China ist quasi Monopolist“, sagt Hubertus Bardt vom IW, einer der Verfasser des Gutachtens. Die Chinesen haben den Export seltener Rohstoffe zum Teil stark eingeschränkt. Und wollen so dafür sorgen, dass ausländische Unternehmen immer mehr Vorprodukte bei ihnen kaufen. Oder gleich Fertigwaren, für die man die Ausgangsstoffe braucht.

Um die Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen und den Lieferländern zu verringern, schlägt die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vor, mehr zu forschen. So sollen Lösungen gefunden werden, um kritische Materialien durch andere zu ersetzen. Und zwar durch solche, die leichter zu beschaffen sind.

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Schlagwörter: Rohstoffe Umwelt

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