10 Jahre Agenda 2010

Mehr Chancen für Frauen in Hessens Betrieben


Frankfurt. Noch nie haben in Deutschland mehr Menschen gearbeitet als heute. Allein Hessen zählt 2,3 Millionen sozialversichert Beschäftigte, 3,1 Millionen Erwerbstätige inklusive Minijobber, Beamte und Selbstständige, und fast die Hälfte aller Frauen ist berufstätig. Ältere bleiben länger im Job. Die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen.

Die Beschäftigung ist damit auf ein Rekordniveau gestiegen. „Uns ist etwas gelungen, woran vor zehn Jahren nur mutige Optimisten geglaubt haben“, erklärte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) zum Auftakt des zweiten VhU-Sozialforums im Haus der Wirtschaft in Frankfurt.

Die Veranstaltung zog Bilanz nach zehn Jahren Agenda 2010. Wohl keine Sozialreform hat Deutschland mehr bewegt. Nachdem die Arbeitslosigkeit vier Jahrzehnte mit jedem Konjunktureinbruch eine Stufe höher geklettert war, konnte dieser Trend gebrochen werden.

„Durch Fordern und Fördern die Menschen zu mehr Eigenverantwortung zu motivieren, war das Signal für den Umbau des Wohlfahrtstaates“, erläuterte Gastredner Wolfgang Clement, der als damaliger Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit die Reform maßgebend mitgestaltete.

In seinem Ausblick auf eine nötige Agenda 2020 warb Clement für eine intensivierte Bildungspolitik, die immer besser sei als alle Maßnahmen der Nachsorge am Arbeitsmarkt. Er forderte ein verpflichtendes Vorschuljahr, Ganztagsschulen mit fest vorgeschriebener Berufsberatung schon drei Jahre vor dem Schulabschluss und vor allem neue bundesweite Standards für die Lehrerausbildung.

„Renten sind nur sicher, wenn viele Menschen Arbeit haben“

Clement: „Wir dürfen kein Talent vergeuden, von der Jugend bis ins Alter, deshalb gehören Bildung und lebenslanges Lernen einfach an die Spitze einer Agenda 2020.“ Zudem appellierte er, mehr in Wissenschaft und Forschung zu investieren. Steuererhöhungen lehnt er ab, plädierte aber bei Einkommen über 120.000 Euro für befristete Abgaben, die in Kindergärten und Schulen fließen sollten.

Die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld wünschte sich in einer Agenda 2020 mehr Flexibilität bei der Förderung: „Wir brauchen mehr passgenaue Förderung für Menschen ohne Ausbildung, damit sie durchhalten, Abschlüsse nachholen und so ihren Weg zu einem qualifizierten Beruf gehen können.“

Sie unterstrich damit die Gedankenansätze von Clement, der feststellte: „Renten sind nur dann sicher, wenn möglichst viele Menschen sichere Arbeitsplätze ­haben.“

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