Arbeitsmarkt

Mehr Arbeit für über 60-Jährige


Er hat gute Chancen, bis zur regulären Rente zu bleiben: Denn Deutschlands größter Industriezweig Metall und Elektro hält seine Mitarbeiter inzwischen wieder länger an Bord. Foto: Vario

Metall- und Elektro-Industrie: Anteil hat sich seit 2000 verdoppelt

Berlin. Die Diskussion um die Rente mit 67 – sie reißt nicht ab (AKTIV berichtete). Den Ruhestand nach hinten zu verlegen, sagen die Kritiker, gehe an der Realität völlig vorbei. Ohnehin hätten Ältere zu wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Fakt aber ist: Bis 67 arbeitet nur, wer ab 2031 in Rente geht. Und schon heute nimmt die Zahl der Älteren in den Betrieben zu, etwa in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E).

Im größten Industriezweig Deutschlands stieg im Zeitraum 2000 bis 2009 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 60 und 64 Jahren um zwei Drittel: von 85.000 auf 141.000. Das rechnete jetzt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall vor. Dabei ist die Gesamtzahl der Mitarbeiter in der gleichen Zeit um 1 Prozent zurückgegangen – auf knapp 3,5 Millionen. Der Anteil der Generation 60plus an allen M+E-Beschäftigten hat sich damit von 2 auf 4 Prozent verdoppelt.

Frühverrentung wirkt nach

Laut Gesamtmetall sind von denen, die in diesem Alter tatsächlich noch arbeiten können, immerhin die Hälfte noch in Lohn und Brot. Dies liegt auch an den umfangreichen Investitionen, die oft auch die praktischen Arbeitsbedingungen verbessert haben.

Dass nicht noch mehr Ältere arbeiten, ist vor allem eine Folge der Frühverrentungspolitik der 90er-Jahre – die sowohl die Gewerkschaften als auch die Sozialdemokraten ausdrücklich mitgetragen haben. Inzwischen ist die Frühverrentung abgeschafft. „Und prompt ist der Anteil älterer Beschäftigter stark gestiegen“, betont Ulrich Brocker, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall.

Deshalb sieht er in der Debatte um die Rente mit 67 viel „Heuchelei“ im Spiel: „Die Frühverrentung war gesellschaftlich gewollt. Und alle haben sie genutzt. Da darf man sich nicht wundern, dass es so wenig Ältere in den Unternehmen gibt.“

Trotz Rente mit 67 – auch künftig muss nicht jeder bis zum normalen Rentenalter durchhalten. Wer unter erschwerten Bedingungen arbeitet, kann weiterhin frühzeitig raus. Dazu hat die Branche 2008 den Tarifvertrag „Flexibler Übergang“ abgeschlossen.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang