Zukunftsforschung

Mega-Städte – Mega-Geschäft


Strom, Wasser und Mobilität: Firmen setzen auf den Bedarf der Metropolen

München. Häuser so weit das Auge reicht: der Großraum Tokio. Mit mehr als 35 Millionen Menschen ist er die mit Abstand bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt. Und was das für Probleme mit sich bringt, wird auch an anderen Orten deutlich. Die Zahl der Megacitys mit mehr als 10 Millionen Menschen wächst.

Derzeit sind es 20 – die meisten in Entwicklungs- und Schwellenländern. Städte wie Shanghai und Mumbai ziehen arme Menschen aus dem Umland an wie ein Magnet.

Investitionen in Höhe von 30 Billionen Euro

Bis 2050, so die Schätzung der Vereinten Nationen, wird sich die Zahl der Bewohner von Ballungszentren fast verdoppeln. Und der Anteil der Stadtbevölkerung wird sich erheblich vergrößern. Immer mehr Menschen werden in den kommenden Jahrzehnten nach Strom, sauberem Wasser und verlässlicher Mobilität verlangen. Die Infrastruktur dafür wollen auch deutschr Unternehmen liefern.

Das Marktpotenzial beschreibt die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton: Laut einer Studie beträgt der globale Investitionsbedarf für Energie-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur in den Jahren 2005 bis 2030 umgerechnet 30.000 Milliarden Euro. Die Hälfte davon entfällt auf Asien und Südamerika.

Peter Löscher, Vorstandschef von Siemens, rechnet daher in den kommenden Jahren mit zusätzlichem Geschäft. „Städte sind die Wachstumsmotoren der Zukunft“, sagt er.

Sein Konzern sieht sich für die wachsende Nachfrage gerüstet. Mit Wasseraufbereitungsanlagen, Nahverkehrszügen und neuen Kraftwerken kann er alle drei Grundbedürfnisse des Stadtmenschen bedienen. Beispielhaft für die Erfolgschancen ist ein Auftrag, den Siemens kürzlich aus China erhalten hat: die Lieferung von Komponenten zum Bau von vier Gaskraftwerken.

Gut im Geschäft ist Siemens in Fernost ebenso durch den Bau neuer Stromnetze mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Diese Technik ermöglicht mit 800.000 Volt einen verlustarmen Stromtransport über weite Entfernungen – und gilt deshalb als wegweisend für die Versorgung großer Metropolen mit regenerativen Energien. Die Ballungszentren an der südlichen Küste Chinas zum Beispiel werden mit Hilfe von Siemens-Technik versorgt: Sie erhalten bis zu fünf Gigawatt Strom aus Wasserkraftwerken, die in der 1.400 Kilometer entfernten bergigen Region Yunnan liegen.

„Unsere Kunden leben in den Städten“

Auch mittelständische Unternehmen wollen im Geschäft mit den Metropolen mitmischen. „Unsere zukünftigen Kunden leben in den Städten der Schwellenländer“, gibt Dr. Jürgen Cammann, Vorstandsvorsitzender der Schaltbau Holding AG, die Richtung vor. Die Münchner Firma macht den Großteil ihres Umsatzes von 270 Millionen Euro mit Komponenten und Systemen für Busse, Bahnen und Schienentechnik. Über ein Drittel entfällt auf den Nahverkehr.

Schaltbau will vor allem in China vom steigenden Infrastrukturbedarf der aufstrebenden Städte profitieren. „Dort werden wir unsere Aktivitäten intensivieren“, kündigt Cammann an. Der erste Schritt ist bereits gemacht. Mit einem lokalen Partner wird das Unternehmen fünf U-Bahnhöfe einer chinesischen Großstadt mit Bahnsteig-Türen ausstatten. Sie bringen beim Einsteigen Ordnung und Sicherheit ins Metro-Gewühl.

In Indien hat Schaltbau bereits eine Vertriebsgesellschaft gegründet, die Aufträge an Land ziehen soll. In Planung ist ein Montage-Standort zum Bau elektronischer Komponenten. „Wir werden zukünftig gezwungen sein, auch in den Ländern selbst zu produzieren“, sagt Cammann. Viele Teile würden jedoch weiter aus Deutschland kommen, die Entwicklungsleistung sowieso.

Rechtzeitig den Fuß in die Tür bekommen

Ein weiterer Mittelständler, Grünbeck aus Höchstädt in Schwaben, will dagegen vom Energiehunger auf der Welt profitieren. Die Firma ist ein Spezialist für Wasseraufbereitung. „In den vergangenen Jahren haben wir in diesem Geschäft rechtzeitig den Fuß in die Tür bekommen“, sagt Geschäftsführer Dr. Günter Stoll.

So gibt es jetzt ein Referenzprojekt im niederländischen Maasbracht, mit dem sich Grünbeck weltweit für ähnliche Investitionen empfehlen will: Für ein umgebautes und erweitertes Kraftwerk stellt Grünbeck das Reinstwasser für die Dampf- und Gasturbinen bereit. Es ist der größte Auftrag in der 60-jährigen Firmengeschichte.

Info: Urbanisierung

lm Jahr 1950 existierten mit New York und Tokio gerade einmal zwei Megacitys mit einem Einzugsgebiet von mehr als 10 Millionen Einwohnern. Heute sind es weltweit schon 20 – und nur 4 von ihnen liegen in den Industriestaaten.

Rund um den Globus gibt es mittlerweile etwa 400 Millionenstädte, mehr als 100 davon in China.

Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer erleben ein großes Wachstum ihrer Ballungszentren. Alle 20 Städte mit dem stärksten Bevölkerungsanstieg in den vergangenen 30 Jahren befinden sich in Afrika oder Asien, 10 von ihnen in China.

Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass sich die Stadtbevölkerung der Schwellen- und Entwicklungsländer in den kommenden 40 Jahren von 2,6 auf 5,3 Milliarden Menschen verdoppeln wird. Weltweit würden dann 6,4 Milliarden Menschen in Ballungsgebieten leben.

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