Ausgangsstoff für Brennelemente

Mega-Power für die Welt: Bei Urenco in Gronau wird Uran angereichert

Gronau. Der Arbeitsplatz von Stephan Gesterkamp liegt idyllisch im Grünen: Vögel spazieren um den Löschteich, im Gebüsch hopsen Kaninchen, Margeriten blühen am Zaun. Doch das Werk, für dessen Sicherheit er geradesteht, ist vielen Menschen unheimlich: die Urananreicherungsanlage Urenco.

In den schlichten grauen Hallen der Fabrik in Gronau (Westfalen) helfen 500 Mitarbeiter, den globalen Energiehunger zu stillen: Sie reichern Uran für Brennelemente an, die an Kernkraftwerke in der ganzen Welt gehen – bundesweit die einzige Anlage. „Viele fragen mich, ob ich Angst vor der Strahlung habe“, erzählt Gesterkamp, der sich bei der Werkfeuerwehr auch um den Strahlenschutz kümmert: „Daran merke ich, wie wenig über den Prozess bekannt ist.“

Flüchtig wirft er einen Blick auf das sogenannte Dosimeter, ein Gerät zu Messung der Strahlendosis, das er stets bei sich trägt. „Zehn Jahre arbeite ich hier, aber meine zusätzliche Strahlenbelastung ist null.“ Im Inneren der Anlage, die an einen aufgeräumten Keller erinnert, erklärt der ehemalige Siemens-Techniker das Verfahren.

Die Energie aus einem Behälter reicht ein Jahr für 100.000 Einwohner

Per Zug und Lkw kommen die tonnenschweren Zylinder, in denen das Ausgangsmaterial Uranhexafluorid (UF6) steckt. Der Rohstoff dazu, Uranerz, stammt zum Beispiel aus Bergwerken in Australien oder Kasachstan. Im Herkunftsland wird das Erz zu Urankonzentrat aufbereitet und später chemisch zu UF6 umgewandelt. „Aber erst in Gronau wird daraus reaktortaugliches Material“, so Gesterkamp.

Denn das in der Natur vorkommende Uran enthält nur zu 0,7 Prozent den von Kernkraftwerken begehrten Stoff, das spaltbare Isotop U235. Um den Gehalt auf 3 bis 5 Prozent zu erhöhen, wird das Material in Gronau erwärmt: Als Gas strömt es sehr langsam in riesige Stahl-Zentrifugen. Die stehen eng und laut brummend in einer „Trennhalle“ – wie eine Kaskade mehrfach hintereinandergeschaltet.

„Die Zentrifugen laufen perfekt“, weiß Gesterkamp. „Seit 1985 wartungsfrei rund um die Uhr.“ Am Ende wird das Gas wieder in die Zylinder verfrachtet. „Die Energie in nur einem Behälter reicht jetzt aus, um eine Stadt mit 100.000 Einwohnern gut ein Jahr lang mit Strom zu versorgen“, weiß Urenco-Sprecher Chris Breuer.

Über 2 Milliarden Euro hat das Unternehmen bis heute in die Anlage gesteckt. Lohnt sich das angesichts der Energiewende? Breuer nickt: „Urenco hält gut 30 Prozent am Weltmarkt. Der deutsche Absatzmarkt von etwa 3 Prozent wird zwar verschwinden, doch weltweit werden neue Kernkraftwerke gebaut.“ Die globale Nachfrage steige – besonders in Asien.

Und wie hoch ist die Gefahr, dass etwas passiert? Breuer verweist auf die sehr empfindlichen Messanlagen: „Wir haben hier noch nie eine gesundheitsschädliche Belastung gemessen“, versichert er. Gesterkamp nickt: „Man muss mit Strahlung richtig umgehen.“ Das findet auch seine Tochter: Sie will medizinisch-technische Radiologieassistentin werden.

Fakten

Strahlenbelastung

  • Radioaktive Strahlung, die in der Natur häufig vorkommt, wird in Millisievert (mSv) gemessen. Die jährliche Dosis, die wir davon abbekommen, beträgt rund 2 Millisievert.
  • Genauso hoch ist die Dosis, die wir durch künstlich erzeugte Strahlung etwa in der Medizin erhalten oder durch Urlaubsflüge.
  • Beispiele: Zahnröntgen 0,06 Millisievert, CT Brustkorb 5 bis 10, Flug Frankfurt-Mallorca 0,06. Die maximale anlagenbedingte Dosis an den Messstellen am Anlagenzaun der Urenco pro Jahr 0,2 Millisievert.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang