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Alles eine Frage des Recyclings

Meeresmüll: Branche lehnt Kunststoffverbote der EU ab und setzt auf Entsorgung

Riesenstreit um Plastik: Wegen des Meeresmülls will die EU Einmalprodukte verbieten und Verpackungen zurückdrängen. Gegen die Pläne gehen Branchenverbände auf die Barrikaden. Sie schaden der Umwelt eher, argumentieren sie.

Plastikmüll am Badestrand: Das will keiner. Dagegen helfen bessere Entsorgung und mehr Recycling. Foto: dpa

Plastikmüll am Badestrand: Das will keiner. Dagegen helfen bessere Entsorgung und mehr Recycling. Foto: dpa

Frankfurt. Riesige Müllmengen treiben in den Ozeanen, Plastikteile verschandeln Strände – Kunststoffabfall ist zu einem weltweiten Problem geworden. Wer denkt nicht manchmal daran, wenn er im Supermarkt vor Regalen voller Plastikverpackungen steht.

Die EU hat nun dem Plastik den Kampf angesagt. Sie will zehn viel genutzte Kunststoffprodukte wie Einmalbesteck und -teller, Trinkhalme und Rührstäbchen verbieten. Und sie will Lebensmittelverpackungen und Getränkebecher zurückdrängen. Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans kündigt an: „Wir werden in unseren Supermärkten weniger Einwegplastik vorfinden.“

Ein normaler Supermarkt führt 12.000 Produkte, ein verpackungsfreier nur 600

Gegen diese Pläne gehen Branchenverbände wie PlasticsEurope oder die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) auf die Barrikaden. Sie halten Verbote für den falschen Weg. „Denn die Alternativ-Materialien weisen häufig eine schädlichere Ökobilanz auf“, argumentiert Rüdiger Baunemann. Der Chef des Herstellerverbands PlasticsEurope Deutschland fordert stattdessen europa- und weltweit mehr Abfallsammlung und Recycling wie hierzulande. „Das ist weitaus zielführender, um Einträge von Müll ins Meer zu verringern.“

Besonders die Attacke auf die Lebensmittelverpackungen beunruhigt die Branche, die mit 3.400 Firmen und 400.000 Beschäftigten für 6 Prozent der gesamten deutschen Industrieproduktion steht – inklusive des für Kunststoffe erforderlichen Maschinenbaus.


Gravierende Folgen drohen auch für Handel und Verbraucher. Wurst, Käse, Margarine, Pudding, Fertiggerichte, Chips oder Salat – all das wird ja durch Kunststoffe haltbar gemacht. Fiele das Packmaterial weg, müssten Lebensmittelhersteller auf Glas, Pappe, Papier und Weißblech als Alternative ausweichen. Dadurch würde pro Jahr die dreieinhalbfache Menge an Material benötigt. Und für Produktion, Nutzung, Entsorgung würde doppelt so viel Energie verbraucht.

Zudem habe die Verpackungs- und Warenvielfalt Gründe, sagt IK-Verbandschef Ulf Kelterborn. Ursache seien veränderte Lebensgewohnheiten. Singles und Senioren verlangen kleine Portionen, Berufstätige Fertigsalat, Mitnehm-Essen, Kaffee to go. „Ein normaler Supermarkt führt 12.000 Produkte, einer, der auf Verpackungen verzichtet, nur 600.“

Nur ein Bruchteil des Meeresmülls kommt aus Europa

Um die Meere zu schützen, helfe man besser Asiens Ländern beim Aufbau von Entsorgungssystemen, so Kelterborn. 5,5 Millionen von jährlich 8 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen aus Asien ins Meer, nur ein Bruchteil aus Europa, so die Weltnaturschutzunion IUCN.

Die Branche engagiert sich daher bereits in Projekten in Asien. Hierzulande tüfteln ihre Forscher an Folien, die sich leichter recyceln lassen. Wegweisend ist etwa das rohstoffliche Recycling, mit dem sich die Mineralölwirtschaft beschäftigt. Aus Plastikabfall wird wieder Öl erzeugt, Treibstoff oder ein Vorprodukt. Damit aus Alt-Plastik wieder alles werden kann …

Die folgenden Grafiken zeigen wichtige Daten zu Plastikmüll und Kunststoff-Industrie:

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aktualisiert am 01.02.2018

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