Infrastruktur

Marode Brücken und Staus bremsen die Wirtschaft aus

Autobahn gesperrt: Die Schiersteiner Brücke verbindet die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden. Foto: dpa

Mainz/Berlin. So sieht Stillstand aus – mitten in Deutschland: Wo sonst an jedem Werktag 90.000 Autos fahren, baumelt eine rot-weiße Gliederkette. Auf der Schiersteiner Brücke ist die Autobahn 643 im Ballungsraum Rhein-Main gesperrt.

Schon wieder sorgen Brückenschäden für Chaos. Wie auf der A 1 bei Köln. Dort ist die Rheinbrücke zu schlapp für den Lkw-Verkehr. Laster müssen seit Monaten Umwege fahren.

Fernstraßen vergammeln, mit gravierenden Folgen. Es werde schwieriger, Lieferketten aufrechtzuerhalten, klagen Unternehmen. „Wir bekommen die Quittung dafür, dass wir unsere Straßen und Brücken seit Jahren vernachlässigen“, sagt Gerhard Riemann, bis Jahresbeginn Chef des Logistik-Konzerns Imperial und beim Außenhandelsverband BGA für Verkehrspolitik zuständig. „Es muss endlich mehr investiert werden.“

Rund 2 Milliarden Euro zusätzlich sollte die Bundesregierung pro Jahr für Erhalt und Ausbau aller Fernstraßen aufwenden, rät eine Experten-Kommission. Allein von den rund 39.000 Brücken der Autobahnen und Bundesstraßen müsste jede vierte saniert oder erneuert werden.

Viele sind längst für Spezialtransporte gesperrt. Deshalb nehmen etwa Trucks, die 100 Tonnen schwere Baumaschinen aus Süddeutschland nach Hamburg bringen, einen 300-Kilometer-Umweg über Berlin. So richtig ins Geld aber gehen die Staus in Deutschland: Auf 25 Milliarden Euro im Jahr kommt eine Analyse, die britische Ökonomen erstellt haben.

Also in Straßen investieren – aber mit welchem Geld? Während der Verkehrsminister noch auf grünes Licht aus Brüssel für seine Pkw-Maut wartet, treibt der Finanzminister zusätzlich einen anderen Plan voran: Er will das Geld privater Investoren einsammeln. Dafür sollen alle Autobahnen und Bundesstraßen in ein staatliches Unternehmen ausgegliedert werden.

Doch das ist Zukunftsmusik. Die Schiersteiner Brücke wird derweil durch Autofähren ersetzt, die von einem Rheinufer zum anderen schippern.


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Um seine riesigen Kräne von Ehingen bei Ulm in Nord- und Ostseehäfen zu bringen, muss der Baumaschinenkonzern Liebherr immer längere Transportwege in Kauf nehmen, weil viele Brücken in Deutschland kaputt sind.

Ob aus Eisen, Stahl, Stein oder sogar Holz: Brücken überspannen tiefe Täler, reißende Flüsse und weite Meeresbuchten. AKTIVonline zeigt Ihnen hier die gewagtesten Bauwerke. Ein paar davon stehen sogar bei uns in Deutschland.

Der zweimal 90 Meter lange und 50 Meter breite Koloss aus Stahl verbindet die Autobahn über die Maas und ist ständig in Bewegung: Wenn große Schiffe durchfahren, hebt sich die Brücke um 30 Meter – und das in 90 Sekunden.

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