Standortnachteil für die Industrie in NRW

Marode Autobahnbrücken kommen dem Anlagenbauer Achenbach Buschhütten teuer zu stehen

Kreuztal. Das Problem von Axel Barten wiegt locker 100 Tonnen und ist zwei Stockwerke hoch: „Wie soll ich meine Walzenständer aus dem Siegerland zum Hamburger Hafen bringen?“, fragt der Chef von Achenbach Buschhütten, dem Weltmarktführer bei Aluminiumfeinband- und Folienwalzwerken mit Sitz in Kreuztal.

Als Autobahn nach Norden bietet sich die Sauerland-Linie an – eigentlich. Doch die A 45 ist in diese Richtung für Schwertransporte gesperrt. Und im Westen, am Kölner Autobahnring, ist die Leverkusener Brücke für Lastwagen sogar schon ab 3,5 Tonnen tabu – seit Juni 2014! Allein diese Sperrung hat bisher über 1,4 Milliarden Euro Zusatzkosten für die Wirtschaft verursacht, durch Umwege und höheren Spritverbrauch.

Die Transport-Kosten sind bis auf das Vierfache gestiegen

Nordrhein-Westfalens Industrie ächzt wegen der maroden Straßen. Der Exportstandort NRW hat ein gravierendes Problem. Schließlich erwirtschaftet allein die hiesige Metall- und Elektro-Industrie rund 83 Milliarden Euro im Export. Das ist die Hälfte ihres Umsatzes. Somit ist jeder zweite der 700.000 Arbeitsplätze im wichtigsten Wirtschaftszweig betroffen: vom Autozulieferer über den Metallverarbeiter bis zum Maschinenbauer wie eben Achenbach Buschhütten.

All dies zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn die Infrastruktur weiter verfällt. Wobei vor allem Bröselbrücken Kopfzerbrechen bereiten. Die Hälfte der Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen im bevölkerungsreichsten Bundesland leidet unter besorgniserregendem Verschleiß.

Nur 11 Prozent der Überführungen sind in einem „guten“ oder „sehr guten Zustand“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Insgesamt weisen von den 6.573 Brücken an Rhein und Ruhr 21 so immense Schäden auf, dass ihr Zustand als „ungenügend“ eingestuft wird.

„Ohne leistungsfähige Verkehrsadern wird künftiges Wachstum gefährdet, und es drohen Arbeitsplatzverluste“, warnt Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Metall NRW in Düsseldorf.

Und das Landesverkehrsministerium schätzt, dass in den kommenden zehn Jahren rund 4,5 Milliarden Euro für die Sanierung von Brücken benötigt werden. Bis die wieder in Schuss sind, müssen die Lkws zeitraubende und teure Umwege nehmen, was Unternehmern wie Axel Barten vom Maschinenbauer Achenbach Buschhütten das Leben schwer macht.

So war vor einigen Jahren ein Schwertransport von Kreuztal zum Hamburger Hafen noch in einer Nacht möglich – über die Sauerland-Route A 45 und die A 1. Jetzt müssen die Laster zunächst über die A 4 Richtung Köln, dann wegen der verschlissenen Leverkusener Rheinbrücke südlich um die Domstadt herum und linksrheinisch weiter gen Norden. Barten: „Die Lkws sind jetzt drei oder vier Nächte unterwegs. Entsprechend sind die Kosten gestiegen.“

Da er seine Produkte auch über die Häfen Antwerpen und Rotterdam für den Weltmarkt ausliefert, ist die Firma auf dem Weg dorthin von der gesperrten Rheinbrücke ebenso betroffen: „Sie ist neben der A 45 die größe Katastrophe“, ärgert sich Barten. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Erst im Jahr 2023 wird bei Leverkusen eine neue Rheinbrücke die alte ersetzen. Auch die Sanierung der A 45 (inklusive der 38 kaputten Brücken) ist ein Langfristprojekt.

Güterzüge sind zumindest für die Kreuztaler keine Alternative. Zwar liegt die Firma an der Schienenstrecke von Hagen nach Frankfurt. „Doch die Bahn kann keine Ankunftszeiten garantieren“, klagt Barten. Außerdem würden seine Walzenständer in einem der Tunnel stecken bleiben: „Die sind zu eng für unsere Schwergutkisten.“ 


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Achenbach Buschhütten GmbH

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Achenbach Buschhütten GmbH
Siegener Straße 152
57223 Kreuztal

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