Interview

Markt für deutsche Produkte


Esten haben jetzt den Euro

Seit dem 1. Januar zahlen auch die 1,3 Millionen Bürger Estlands mit dem Euro. Tobias Knedlik vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle sieht darin Chancen für deutsche Betriebe.

AKTIV: Was bringt der Beitritt der Esten zum Euro?

Knedlik: Die Fraktion der Staaten, die in erster Linie auf Stabilität setzen, wie auch Deutschland, wird größer.

AKTIV: Warum?

Knedlik: Die Esten haben sich in den vergangenen Jahren durch eine sehr solide Politik ausgezeichnet. Und sie erwarten auch von den anderen Euro-Staaten, dass sie die Stabilitätskriterien einhalten. Das haben sie immer wieder gesagt.

AKTIV: So vernünftig das auch klingt – wirtschaftlich kann der Beitritt eines so kleinen Landes wohl nicht viel bringen.

Knedlik: Doch. Estland ist zum Beispiel stark im Maschinenbau. Die gemeinsame Währung macht es deutschen Maschinenbau-Unternehmen jetzt leichter, dort zu investieren. In der Folge kann der Lebensstandard der Esten weiter steigen. So wächst die Chance, dort Produkte aus deutscher Herstellung zu verkaufen.

AKTIV: Welche Branchen profitieren sonst noch?

Knedlik: Die Papier-Industrie. Sie kann sich sehr gut mit der starken Holzwirtschaft Estlands ergänzen. Die Basis für Beziehungen zu Lieferanten wird durch den Euro stabiler.

AKTIV: Dennoch – ist die Entfernung bis zum Baltikum nicht viel zu groß?

Knedlik: So groß sind die Entfernungen doch gar nicht. Die Hauptstadt Tallinn ist gerade einmal 85 Kilometer von Helsinki entfernt. Man kann von dort aus also auch den finnischen Markt bedienen und nicht nur potenzielle Kunden in Russland und anderen ost-europäischen Staaten.

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