Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten zu Spitzenverdiensten

Managergehälter: Muss man da ran?


München/Berlin. Mit einer Radikalforderung zieht die Linkspartei in die Bundestagswahl: Top-Manager sollen höchstens 20-mal so viel verdienen wie der am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter. In milderer Form setzen auf das Thema auch die anderen Parteien. Im Überblick:

1. Was schlagen Politiker noch vor?
Union und FDP wollen vorschreiben, dass die Aktionäre über die Top-Gehälter abstimmen. Bringt nichts, meinen SPD und Grüne. Sie fordern: Spitzengehälter sollen steuerlich nicht voll als Betriebsausgaben absetzbar sein.

2. Was verdienen Top-Leute in Deutschland?
Die Vorstandsmitglieder der 30 im Aktien-Index Dax vertretenenen Großkonzerne verdienen halb so viel wie Top-Bundesligakicker: im Schnitt 5,3 Millionen Euro, meldet die Unternehmensberatung Towers Watson in Frankfurt. Top-Manager tragen Verantwortung für Zehntausende Mitarbeiter. Und die Vergütung muss wettbewerbsfähig sein, gibt Professor Gunther Friedl zu bedenken, Experte für Gehaltsstrukturen an der Technischen Universität München: „Wir können es uns nicht leisten, dass die guten Leute ins Ausland gehen.“

3. Was kriegen sie ­anderswo?
Die Vorstände europäischer Großkonzerne (Aktienindex Dow Jones Stoxx Europe 50) kriegen 7,5 Millionen Euro – 40 Prozent mehr als bei uns. In den USA (Dow Jones Industrial) sind es 13,3 Millionen Euro: „Dort gehen 10 Prozent der Firmengewinne an die Manager“, so Friedl, „bei uns 1 Prozent.“

4. Wo stößt die Politik an Grenzen?
Die Vertragsfreiheit ist verfassungsrechtlich geschützt, stellt Friedl klar. „Es wäre auch nicht im allgemeinen Interesse, wenn jeder alles von der Lohnabrechnung bis zum Hauskauf öffentlich machen müsste.“ Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Thomas Gambke sagt: „Wir können keine allgemeine gesetzliche Regelung machen, mit der wir in die Vertragsfreiheit eingreifen.“

5. Welche Form der Regulierung kommt infrage?
Politiker können nur indirekt ansetzen: etwa indem sie noch mehr Transparenz verordnen. Bislang müssen börsennotierte Firmen die Vergütung jedes Vorstands offenlegen. Und schon jetzt holen die meisten Dax-Unternehmen freiwillig für die Vorstandsgehälter die Einwilligung der Aktionäre ein.

6. Was sagt die Wirtschaft zu der Diskussion?
Sie sieht keinen Handlungsbedarf. Dass die Regierung in Kürze die Einwilligung der Aktionäre zur Pflicht machen will, ist für Ulrich Grillo, Präsident des Industrieverbands BDI, ein „Wahlkampf-Schnellschuss“. Zumal seit 2009 Aufsichtsräte persönlich haftbar gemacht werden können, wenn ihre Vorstände ohne Grund besser als branchenüblich verdienen.

7. Wo wird sonst noch klotzig verdient?
US-Boxer Floyd Mayweather verdiente 2012 laut Magazin „Sports Illustrated“ 65 Millionen Euro, Formel-1-Pilot Michael Schumacher 23 und Basketballer Dirk Nowitzki 14 Millionen Euro. Filmstars kassieren pro Streifen bis zu 24 Millionen, plus Spesen und Gewinnbeteiligung.

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