Tarifabschluss

M+E-Betriebe gehen bis an die Grenze


Kaiserslautern. 3,4 Prozent mehr Lohn ab 1. Juli 2013 und weitere 2,2 Prozent zum 1. Mai 2014. Darüber können sich nun auch die Mitarbeiter der hessischen Metall- und Elektro-Industrie freuen. „Unsere Beschäftigten erhalten spürbar mehr Geld und unsere Betriebe werden in noch vertretbarer Weise belastet“, so Dr. Eduard Kulenkamp, Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Tarifbezirk M+E Mitte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Am 16. Mai unterzeichnete er  den Tarifvertrag gemeinsam mit IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild in Kaiserslautern. Die Laufzeit beginnt am 1. Mai 2013 und endet am 31. Dezember 2014.

Für Harald Koch, Personalleiter von Norma Germany in Maintal ist der Abschluss „ein Kompromiss, der den Unternehmen aufgrund seiner Laufzeit von 20 Monaten eine solide Planungt ermöglicht“. Das Unternehmen fertigt hier mit rund 700 Mitarbeitern hochentwickelte Verbindungstechnik.

Über die lange Laufzeit und die zwei Nullmonate freut sich auch Jörg Rumikewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Fritz Winter Eisengießerei in Stadtallendorf. Mit 3.700 Beschäftigten ist das Familienunternehmen die größte konzernunabhängige Gießerei Europas.

„Im internationalen Wettbewerb ist es wichtig, dass die entscheidenden Kostenfaktoren kalkulierbar sind“, betont Rumikewitz. Die Lohnsteigerungen seien wirtschaftlich gerade noch vertretbar. „Allerdings wird es schwer für uns, sie durch Produktivitätssteigerungen aufzufangen.“

Nach Ansicht von Stefan Weber, Geschäftsführer der Duktus Rohrsysteme Wetzlar (rund 300 Mitarbeiter) wird der Abschluss für viele Betriebe eine Belastung: „Ihr finanzieller Spielraum wird vollkommen ausgeschöpft.“

Er bedauerte zudem das Fehlen von Flexibilisierungsinstrumenten, die den Betrieben je nach wirtschaftlicher Situation eine individuelle Umsetzung der Entgelterhöhungen ermöglicht hätte. Weber: „Diese nicht unerheblichen Lohnerhöhungen müssen in irgendeiner Weise gegenfinanziert werden, zum Beispiel durch Steigerung der Produktivität.“

Auch Dr. Bernd Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Jean Müller Elektrotechnische Fabrik in Eltville (600 Mitarbeiter) hätte sich mehr Flexibilität gewünscht: „Viele Betriebe verzeichnen Auftragseinbrüche, da ist dieser hohe Abschluss eine schwere, zusätzliche Belastung – aber ein Kompromiss ist ein Kompromiss, und den müssen jetzt beide Seiten tragen.“

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