Konjunktur

Los geht’s!


Wachgeküsst: Dornröschen auf dem Plakat eines Kinofilms aus dem Jahr 1955. Foto: cinetext/Richter

Die Wirtschaft erwacht aus dem Dornröschen-Schlaf

Wiesbaden. Na endlich! Die ermutigende Nachricht für alle, die nach dem Sommer­urlaub an ihren Arbeitsplatz zurückkehren: Die Wirtschaft wächst wieder!

Der Dorn­röschenschlaf ist zu Ende. Für ein ganzes Jahrhundert war der Betrieb auf dem Schloss der Märchenprinzessin komplett zum Er­liegen gekommen: „Das Feuer ward still, der Braten hörte auf zu brutzeln – und der Koch, der den Küchenjungen in den Haaren ziehen wollte, ließ ihn los und schlief.“

Der böse Fluch – bei uns hat er nicht so lange gewirkt.

0,3 Prozent Wachstum

Vor exakt zwölf Monaten hieß es an dieser Stelle: „Jetzt ist es amtlich: Unsere Wirtschaft ist geschrumpft.“ Eine Reihe von Banken-Pleiten in aller Welt versetzte das Land in Schockstarre. Kaum Aufträge, Kurzarbeit – und die Furcht vor einer anhaltenden Ab­wärtsspirale. Nun meldet das Statistische Bundesamt: „Das Bruttoinlandsprodukt wächst um 0,3 Prozent.“

Das bedeutet: Von April bis Juni haben wir 0,3 Prozent mehr Waren und Dienstleis­tungen produziert als in den drei Monaten davor. Es ist keine dolle Zahl – aber sie hat alle Experten überrascht. Andreas Scheuerle, Leiter Europäische Konjunktur bei der DekaBank: „Der Quartalsdurchschnitt verdeckt ei­nen fulminanten Endspurt. Im Juni stieg die deutsche Ausfuhr um 7 Prozent zum Vormonat.“ Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank: „Im zweiten Halbjahr dürften die Konjunkturdaten kräftig ausfallen.“

Zwar ist das noch nicht das Happy End. „Am Arbeitsmarkt steht uns das Schlimms­te noch bevor“, urteilt Professor Wolfgang Franz, der Chef der „Fünf Wirtschaftsweisen“, des Sachverständigenrats der Bundesregierung. Erfahrungsgemäß dauert es in Deutschland ein halbes Jahr, bis eine Trendwende bei der Produktion auf die Beschäftigung durchschlägt.

Rückkehr zur Normalität

Entscheidend ist jetzt: Was kommt auf Betriebe und Verbraucher an neuen Belastungen zu? Steuererhöhung nach der Wahl? Was tut sich an der Lohnfront? Und begreifen die Politiker, dass sie mit jeder sozialen „Wohltat“ stets auch die Sozialbeiträge in die Höhe treiben und so Arbeit immer teurer machen?

Vermutlich läuft es genau wie bei den Brüdern Grimm: Kaum ist die allgemeine Schockstarre ausgestanden, da gehen auch die alten Zankereien wieder los. „Das Feuer in der Küche erhob sich, der Braten fing wieder an zu brutzeln – und der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige.“

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